170719 Onlinebanner 470x70 Eisschnellauf

Schnelles EisSchnelles Eis in Berlin. Foto: DESGphoto/Lars HagenOttmar Trittel (60) reibt sich die Hände, wenn die Eissprinter in möglichst weniger als 35 Sekunden über 500 m um das Eis-Oval in Hohenschönhausen „fliegen“. Trittel liebte einst die „singenden“ Reifen als er noch Weltklassefahrer im DDR-Bahnradvierer war. „Geschwindigkeiten sind die Würze des Sports, auch im Eisschnelllauf“, sagt der Chef-Eismeister, jetzt beim Weltcup in seinem Element. Die Eisschnelllauf-Halle gilt von der Grundkonstruktion her als alter Kasten. „Das Eis ist aber die blanke Sahne“, schwärmt der EM-Dritte Nico Ihle. Der Sachse gesteht: „In Berlin laufe ich nicht nur wegen des Heimweltcups gern. Hier kann ich auch durch das gute Eis richtig Tempo machen.“ Vielleicht glückt ihm oder einem anderen Kufenflitzer ja sogar ein Bahnrekord.

Die Grundlagen dafür ließen die ausgefuchsten Eismeister frieren. Bei Lichte besehen sind sie Künstler. Wie die ‚Eisheiligen’ den kalten Grund auf Rekordform polierten, verriet Trittel nicht: „Ein Sternekoch oder Bierbrauer stellt auch nicht seine Toprezepte in Internet“, sagt der Gefrierkönig. Einen kleinen Blick in die geheimen Eisrezepte gestattete Ottmar Trittel aber doch. „Das Wasser ist die Grundlage für ein schnelles Eis. Das Berliner Wasser ist besonders hart. Also senken wir den Härtegrad.“ Dann wird deshalb in der Osmose-Anlage Kalk zugesetzt, um die Kalzium – und Magnesiumsalze zu verändern. Das Wasser wird dadurch weicher. Na und? Schüttet man eben eine Karre Kalk ins Wasser… Wenn es so einfach wäre. In Berlin wird das Trinkwasser aus verschiedenen Wasserwerken in das Leitungsnetz eingespeist. Das Berliner Mischwasser weist nicht nur Trink- sondern sogar Mineralwasserqualität auf. Allerdings schwankt in Hohenschönhausen der Härtegrad zwischen 14,1° und 20,5° dH. Was nichts anderes bedeutet, als dass der Misch-Experte Karl Heller, ein früherer Spitzen-Speerwerfer (89,56 m),  auf jedes Gramm Kalk achten muss, bevor er es ins Wasser ‚löffelt’.

Wenn das alle Zutaten wären, die von den Eismeistern beachtet werden müssten, hätten die Männer einen ruhigen Job. Im Maschinenhaus müssen die Anlagenmechaniker auf das Zehntel genau das Kühlmittel in das Labyrinth der Rohrleitungen pumpen. „Zwischen minus 4,9° und 5,1° darf die ideale Temperatur schwanken“, erinnert sich Deutschlands erfolgreichster Eisschnelllauftrainer Joachim Franke (76 Jahre / 9 Olympiasiege / 21 WM-Titel). „Franke tüftelte mit uns gemeinsam, wie wir möglichst gutes Eis produzieren“, erinnert sich Trittel.

Für den besten Untergrund muss eine Hallentemperatur zwischen 14 und 15 Grad in die mächtige Arena geblasen werden. „Schließlich soll auch noch eine möglichst niedrige, aber nicht zu niedrige Luftfeuchtigkeit herrschen“, sagt Franke. Die Klimaanlage eröffnet dafür zwar viele Möglichkeiten, doch es gilt auch Regen, Schnee, Wind oder Sonnenschein zu beachten. Ebenso das Scheinwerferlicht bei TV-Übertragungen. Jede Komponente kann die Eisqualität beeinflussen.