170719 Onlinebanner 470x70 Eisschnellauf

Nico SiegNicos 2. Sieg in Berlin.
Fotos (alle): DESGphoto/Lars Hagen
Wenn im deutschen Eisschnelllaufen Märchen wahr werden, dann gebührt Tag I des Berliner Weltcups die Erfüllung. Während DESG-Präsidentin Stefanie Teeuwen für die offizielle Verabschiedung von Samuel Schwarz Urkunde und Goldenen Schlittschuh bereit hielt, siegte Nico Ihle im Rennen über 500 Meter. Und alle lagen sich in den Armen. Samu gratulierte seinem ehemaligen Trainingspartner, Nico war stolz, diesen Coup („mein Abschiedsgeschenk“) so optimal getimt zu haben. Und die DESG-Chefin erlebte einen Auftakt nach Maß beim Heimspiel. Der Samstag dürfte noch mehr Fans ins Sportforum locken. Dank Nicos PR.

Selbst Bundestrainer Jan van Veen saß verbüfft auf seinem Stuhl. „Sehr beeindruckend“, sein Kommentar. „Als ich die Zeit sah, deutete sich eine tolle Platzierung an.“ Heimtrainer Klaus Ebert, der die Ihle-Brothers via Chemnitz wahrscheinlich bis zum Mond begleiten würde, um sie zu unterstützen, sah die „stärkste Runde“ aller Starter. Und keinen Fehler.

Samu Prasidentin JensGoldener Schlittschuh zum Abschied. Stefanie Teeuwen, Samuel Schwarz, Jens Zimmermann34,83 Sekunden sind die zweitbeste in Hohenschönhausen gelaufene 500-m-Zeit. Nico Ihle hatte „endlich unter 35 laufen wollen“, doch dann spürte er – nach intensiven Trainingseinheiten – die Beine. Aber alles war wie weggeweht beim Startschuss. Und die nachfolgenden Konkurrenten schienen fast paralysiert, als die Ziffern für den 31-Jährigen Deutschen auf dem Tableau aufleuchteten. Keiner kam ihm mehr nahe. Der zweite Sprint-Erfolg des Winters, das zweite Gold in Berlin (im Dezember 2014 vor Samuel Schwarz über 1000 m) – und hinterher ein dickes Bussi des Töchterchens. „In diesem Jahr läuft alles zusammen. Und ich habe das Gefühl, es geht noch mehr… „ Zwei Wochen vor der WM in Korea zeigt diese Ansage, dass sein Timing stimmt. Und bekanntes Stehvermögen bewies der EM-Dritte (im Sprintvierkampf) anschließend beim Medien-Marathon. Erst bei Kristin Otto vor den ZDF-Kameras, dann ein ausgiebiger Info-Austausch in der Mixed Zone mit den Agenturen dpa und sid, der FAZ, der Freien Presse oder am ARD-Hörfunk-Mikrofon.

Judiths Ungeduld

Sprint-Kollegin Judith Dannhauer hatte kurz vorher ihr „Comeback“ in Berlin (in der A-Gruppe) gegeben – und wäre fast gestürzt. Der Strauchler in Kurve I machte die viertbeste Angangszeit zunichte: Platz 15 in 39,33 Sec. Aber die junge Mutter weiß das einzuordnen. „Ich habe wieder einen Schritt nach vorne gemacht, die Physis wird besser.“ Aber es mangelt ihr an Geduld („hey, ich bin Sprinterin…“), sich nach der Baby-Pause peu à peu wieder der Weltspitze zu nähern. „Aber wenigstens bin ich nicht hingefallen.“ Und sie strahlte wie immer. Auch Roxanne Dufter konnte mit ihrer Performance über 1000 m (Platz 16 in 1:17,77 Minuten), ja nicht ihre Spezialstrecke, zufrieden sein. „Bis 600 m Meter lief es nach Plan“, dann schlichen sich technische Fehler ein. „Mein Ziel sind die 1500 Meter“, so die Inzellerin. Das gilt für den Weltcup in Berlin wie die WM, wenn zusätzlich der Team Pursuit in den Fokus rückt.

Felix will mehr

Felix Maly BerlinFelix Maly mit großen AmbitionenSo mittendrin bei der Elite. Felix Maly genoß sichtlich das Ambiente nach seinem 1500-m-Rennen in der Division B, der dritte Weltcup-Einsatz für den 22-Jährigen. Die Schuhe schnüren zwischen den Weltbesten, da behagte selbst die harte Umkleidebank. Im hellen Scheinwerferlicht, zwischen Kameras und Fernseh-Technik. „Das ist ein ganz anderer Anreiz als gegen die nationale Konkurrenz zu laufen.“ Maly ist auf dem Weg nach vorne. Über 5000 m kämpft er um das Ticket für die Allround-WM – da möchte er eine Zeit um 6:30 Minuten abliefern. „Es ist meine bisher beste Saison, aber natürlich ist es noch weit.“

Auch Felix profitiert von der neuen Technik, die Bundestrainer Van Veen propagiert. „Es macht mehr Spaß – auch im Training, das kürzer, aber dafür intensiver abläuft. Die Konzentration ist höher und ich laufe dadurch besser. Aber manchmal falle ich nach zweieinhalb Runden ins alte Muster zurück.“ Das soll sich optimieren, denn von seinem Ziel, der Teilnahme an den Winterspielen 2018 in Korea, rückt er kein Jota ab. Dafür hat er zum Beispiel die Ernährung komplett umgestellt. „Vor zwei Jahren habe ich begonnen, mich mit diesem Thema intensiv zu beschäftigen.“ Veganes Essen kommt seither auf den Tisch. „Das schmeckt gut – und der Körper spart bei der Verdauung Energie. Ergo regeneriere ich schneller. Steaks und Hamburger gibt es auch vegan und das ist lecker,“

Die A-Gruppe schaute sich der Weltcup-Newcomer vom ESC Erfurt im Sportforum – nach Verzehr eines veganen Supersmoothies - noch von der Tribüne aus an. Aber das ist eine Momentaufnahme. Felix will mehr.