Gerd VerabschiedungDanke Gerd Heinze, sagen Stefanie Teeuwen, Tron Espeli mit Sprecher Jens Zimmermann. Foto: DESG-PresseEin Dankeschön vor über 1000 Zuschauern im Sportforum. Das genoss Gerd Heinze beim Berliner Weltcup. Im Juni 2016 hatte er sein Amt als DESG-Präsident niedergelegt, jetzt nahm er ehrende Worte von ISU-Vizepräsident Tron Espeli und ein Präsent aus der Hand seiner Nachfolgerin Stefanie Teeuwen entgegen. „Das tat schon gut.“ 

Auch die Veranstalter waren mit Tag II zufrieden. Gut besuchte Ränge und prima Stimmung (besonders der tschechische Fan-Block feierte). Über 1000 m der Herren pulverisierte der überragende Niederländer Kjeld Nuis den Bahnrekord. 1:08,25 lautet die neue Marke (bisher 1:08,53). Weitere Kracher auf der Eisbahn: der kanadische Sieg von Ted-Jan Bloemen, der über 5 km die Niederländer düpierte. Oder die ultimative Schlussrunde des neuseeländischen Silber-Boys Peter Michael in 28,9 Sekunden. Und: Ireen Wüsts 20. Weltcupsieg über 1500 m.

Van Veen: Enttäuscht

Gerade als das Tableau der schnellsten Damen - Wüst, Leenstra, Sáblíková - aufleuchtete, stand Bundestrainer Jan van Veen im Innenraum dem ZDF Rede und Antwort. Seine Bilanz fiel durchwachsen aus. Der Niederländer zeigte sich „enttäuscht“. Gerade beim Heim-Weltcup hatte er auf einigen Strecken mehr erwartet. Wie den 1500 m, wo keine deutsche Athletin unter zwei Minuten blieb. „Natürlich kann bis zur WM noch viel passieren, aber man muss es auch in den Beinen haben.“ Er weiß, dass es Zeit benötigt, bis seine Technik-Vorgaben automatisiert sind. Doch einige Rückschritte ausgerechnet vor erwartungsfrohen Fans stimmten ihn nachdenklich.

„Nico Ihle kann über zwei Strecken Medaillen gewinnen“, weiß Van Veen. Im Sportforum ließ der Vorzeige-Skater der DESG dem 500-m-Coup Rang 8 über 1000 m (in 1:09,54) folgen. Fast hatte er dies aufgrund schwerer Beine auch erwartet. „Ich war bis zur letzten Runde auf Augenhöhe (Anm: mit Gegner und Sprint-Europameister Verbij). Aber es muss auch mal weh tun – und ein solches Rennen ist dann wie ein Training.“ Nach den beiden Starts am Sonntag müsse er „Luft ranlassen, genügend Zeit zu regenerieren ist ja.“ Am 3. Februar geht der Flieger Richtung Seoul. Joel Dufter belegte Platz 14 (1:10,26). Auch er gab zu Protokoll, „sich von den Beinen her schlecht gefühlt“ zu haben.

Hubert vs. Joel

Erstes PodiumErstes Podium für Hubert Hirschbichler bei einem WeltcupPlatz 2 bei einem Weltcup. Das erlebte Hubert Hirschbichler bislang nicht. Gut, der Inzeller stand „nur“ bei der Siegerehrung der Division B (1:10,96 Minuten) auf dem Podium und es gab auch keine Medaille, sondern Blumen. Aber auch das sorgte für Emotionen. „Ja, ich bin happy, vor allem nach dem schwierigen 1500-m-Lauf gestern.“ Was das bedeutet muss sich noch zeigen. Bei den zweiten 1000 Meter am Schlusstag steigt Hubert in die A-Gruppe auf – und kann und muss sich dann mit Zimmerkollege Dufter um das zweite WM-Ticket (neben Nico Ihle) über diese Strecke bewerben, der Vorteil liegt allerdings bei Dufter aufgrund der besseren ersten Zeit. „Das ist für uns kein Problem, wir sehen das professionell, denn jeder weiß, worum es geht.“ Zudem lockt ein Ticket zu den Sprint-Weltmeisterschaften in Calgary. „Ich habe den Motor nochmals komplett durchgeblasen“, sagte Hirschbichler, die massive Nachbereitung (u.a. auf dem Rennrad) trug Früchte.

Olympia im Visier

Judith Dannhauer verbesserte sich beim zweiten 500er in Zeit (39,03 Sekunden) und Position (als Elfte fehlten zwei Hunderstel zu den Top Ten) – und stellt die Fortsetzung des Unternehmens „Junge Mutter trimmt sich für Olympia“ keine Sekunde in Frage. „Ich weiß, dass ich Reserven habe, mein Rennen ist zu hektisch, gerade auf der Wechselgerade. Ich brauche mehr Ruhe beim Lauf. Aber das sind alles Dinge, die man verbessern kann.“ Nach der Geburt ihres Sohnes Artur sei sie „in einer unterirdischen körperlichen Verfassung“ (Anm.: für eine Hochleistungssportlerin) am 1. März letzten Jahres ins Training eingestiegen. Viele für den Sprint-Bereich typische Vorbereitungen (Sprünge, Hantelübungen im Kraftraum) waren nicht möglich. „Dafür stehe ich schon wieder auf einem guten Niveau – jedoch weit von den Medaillen entfernt. Aber das ist alles andere als hoffnungslos.“

Patrick: Nah dran

Die gute Erkenntnis für Patrick Beckert nach seinem 5. Platz über 5000 m war: Zum Bronze-Rang – von Jorrit Bergsma - fehlten (nach 6:19,34 Minuten) nur 1,35 Sekunden. „Somit hat sich bestätigt, dass ich einer von jenen bin, die um die Medaillen mitlaufen können.“ Und vielleicht schlage in Südkorea, über 5 und 10 km, das Pendel zu seinen Gunsten aus. Mit „der Tagesform“ werde abgerechnet. In Berlin notierte er für sich einen zu „legeren“ Angang, was allein „fünf bis sechs Zehntel“ kostete. Danach stimmte die Marschroute. Im ewigen Duell mit der Langstrecken-Phalanx aus Oranje sprach der Erfurter für seine Mitkonkurrenten aus Belgien, Neuseeland und Kanada. „Wir sind nicht mehr so weit weg.“

Als Vielstarterin arbeitet sich Roxanne Dufter durch das Weltcup-Pensum. Über 500, 1000 und 1500 m im Einsatz, mangelte es der Inzellerin an Spritzigkeit. „Bis 700 Meter war es OK, ich habe auch etwas riskiert, doch dann kamen technische Probleme.“ Optimistisch aber bleibt sie, „wieder in die Top Ten zu laufen.“ Gemeint ist „ihre“ 1500-m-Distanz, auf der Bente Kraus in der B-Gruppe ähnliches empfand. „Ich merke, wie es in mir lodert, aber manche Abläufe sind noch nicht automatisiert. Der Bundestrainier hatte signalisiert, dass die Umstellung zwei Jahre dauern könne. Aber vielleicht knallt es bei mir ja mal zur rechten Zeit.“ Und vorher. Das Ziel der Berlinerin bleibt intakt: „Eine Medaille bei Olympia 2018.“