Bente jubelBente jubelt über ihre beste Berliner Zeit. Foto: DESGphoto/Lars Hagen3500 Zuschauer lockten die drei Eis-Tage ins Sportforum. Sie bekamen Leistungen geboten, die einer WM reif war. Knapp zwei Wochen vor dem Saison-Highlight in Korea präsentierten sich viele Skater schon in optimaler Form.  Das ZDF berichtete an drei Tagen, das Medienzentrum erlebte den größten Andrang bei einem Weltcup in Hohenschönhausen. Da wurde auf niederländisch, finnisch, polnisch, japanisch oder englisch übermittelt. Aus dem Skating-Hot Spot Berlin. Die Deutschen gewannen durch Nico Ihle zwei Medaillen in Gold und Bronze, die Verantwortlichen in Person von Bundestrainer Jan Van Veen hatten sich „zuhause“ dennoch mehr erwartet. 

Aber die Eisschnellläufer haben ja ihren Nico. Der holte im Sprint diesmal Rang 8 – und manche Experten erwarteten im zweiten 1000-m-Rennen einen ausgelaugten Chemitzer. „Wenn ihr mir das vorher gesagt hätte, wäre ich noch schneller gewesen…“, grinste Ihle nach der zweiten Wochenend-Medaille: diesmal der dritte Platz in 1:09,31 Sekunden. So schnell war er nicht einmal bei seinem Weltcupsieg gewesen. Und das steigert das Selbstbewusstsein im Hinblick auf Korea und die anschließende Sprint-WM zusätzlich. „Die Kombination zuerst die 500, dann die 1000, kommt mir entgegen. Das Eis war heute treibfähig und manchmal läuft es wie von alleine. Trainer Klaus Ebert sah sogar noch Reserven, zum Beispiel beim letzten Kurvenschritt und verordnet seinem Schützlinge ein dosiertes „Trockentraining“ vor dem Abflug. Im Petto aber bleibt: Ihle ist sowohl über 500 wie die 1000 m ein Podiums-Kandidat.

Joel Dufter gewann das bayerische Duell gegen Hubert Hirschbichler. Seine erste WM-Teilnahme ist in trockenen Tüchern, aber mit den Zielen will er haushalten. „Das war stabil hier, aber die letzte Frische fehlte. Doch ich bin ein Wettkampf-Typ – und gespannt auf die Atmosphäre beim vorolympisches Rendezvous.“ Für das Archiv: drei DESG-Läufer starteten in Berlin in Division A. Davon hatte man früher kaum zu träumen gewagt.

Formaufbau für die WM

Das gleiche Bild bei den Damen. Gabi Hirschbichler (11.), Roxanne Dufter (12.) und Isabell Ost (14.) maßen sich mit den Besten – allerdings ist hier der Abstand zu Dauersiegerin Heather Bergsma und Co. beachtlich. Jan van Veen und Danny Leger sahen verbesserte Technik nach der Intensiv-Arbeit der letzten Wochen. An Tag 3, der manche müde Läufer am Start sah, hielten die deutsche Sportler ihr Niveau. Das wertet Leger als Indiz, „dass es jetzt steil nach oben geht.“ Gabi Hirschbichler hatte es nach ihrem letzten Start so formuliert. „Es fuchst uns, wenn wir die gute Technik noch nicht so unsetzen können. Aber der Formaufbau geht Richtung WM. Und ich habe keinen Zweifel, dass es funktioniert.“

Die 3000 m der Damen beendeten den Kehraus. Zum zweiten Mal an diesem Weltcup-Wochenende gewann Ireen Wüst, die deutschen Starterinnen erlebten  ein Wechselbad der Gefühle. Claudia Pechstein (9.) spürte schon nach Runde 1 ein Stechen im Oberschenkel, ausgestrahlt von der Rücken-Muskulatur. Die knapp 45-Jährgie will jetzt erst den Arzt-Besuch abwarten. Denn nur 100 Prozentig fit mache der Fernost-Trip Sinn. Bente Kraus (7.) lief zwei Extra-Ehrenrunden, um alle Bekannten am Rande der Bande zu begrüßen. Sie hatte ihre mit Abstand beste Berliner Zeit (4:06,70 Minuten) aufs Eis gezaubert – und widmete sich liebevoll den Freunden des Kinderkrebs-Vereins Kinderlächeln e.V. Bei ihr schlägt die Technik-Umstellung peu à peu mehr an. „Der Bundestrainer ist kritisch und direkt. Seine harte Hand macht sich bemerkbar. Aber er kann auch loben, wenn er sieht, dass wir ihn verstehen.“ Das kann man als gute Basis für die nächste Challenge werten. Das Sportforum: diesmal ein Sprungbrett zur WM.

Blumen für die Mutti

Unerwartet erhielt die Mutti Blumen. Das hat Judith Dannhauer natürlich allemal verdient. Ungewöhnlich aber, dass sie als Zweite der B-Gruppe über 1000 Meter geehrt wurde. In 1:19,43 Minuten musste sie im direkten Duell nur ihrer niederländischen Rivalin den Vortritt lassen – und löste den prekären Überholvorgang auf der Gegengerade souverän und ohne Tempoverlust. Ergo: die 34-Jährige wurde für Korea sowie die Sprint-WM nomioniert. Was emsige Organisation im Hause Dannhauer auslöst(e). Die Mutter des kleinen Artur (15 Monate) ist für einige Wochen in Sachen Eisschnelllauf in der Welt unterwegs sein. „Für diesen Fall musste ich Vorsorge getroffen, das kann man nicht innerhalb von drei Tagen arrangieren.“ Dann übernehmen Papa Norman, 36, (Trainer im Deutschen Bob- und Schlittenverband), die Nanny, die Tagesmutter den Kid-Service. Auch der ESC Erfurt bringt sich personell ein – dafür bedankt sich Judith ausdrücklich.