170719 Onlinebanner 470x70 Eisschnellauf

Christoph InterviewChristoph Schubert mit Franziska Schenk. Foto: DESG-PresseEin Märchen-Wintertag an der Elbe. Vor der Eishalle drehen die Eisläufer auf der Freiluftbahn unter strahlender Sonne ihre Runden. Drinnen haben sich noch mehr Fans versammelt – und sorgen mit ihren Ratschen für die stimmungsvolle Weltcup-Untermalung. In den Pausen lenken junge Kufen-Girls von klobigen Eis-Maschinen ab. Dresden, 2018 Ausrichter der Shorttrack-EM, versteht das Event zu zelebrieren. Die deutschen Athleten wurden von den 1900 Zuschauern bei den Weltcup-Entscheidungen lautstark unterstützt. Auf dem Papier aber bleiben die Daten überschaubar. Keiner erreichte ein A- oder B-Finale.

Bundestrainerin Diana Scheibe benutzte den Begriff „durchwachsen“, sah im Detail aber Ansätze. „Wir sind näher dran. Aber im Vergleich zu den richtig Guten fehlen am Ende einige Körner.“ Sie sah eine Bianca Walter, die über 1000 m im Viertelfinale „super mitgelaufen“ ist. Felix Spiegl „hätte am Anfang direkt mit vorne sein müssen“, um in einem Hammer-Lauf (1000 m) gegen amtierende Olympiasieger und Weltmeister die Winzigkeit seiner Chance zu nutzten. „Anna hat beim Überholvorgang den falschen Weg gewählt“ – und verlor im 1500-m-Halbfinale den Anschluss. „Christoph Schubert“, so die Trainerin „besitzt das Potenzial für ein B-Finale, ihm unterliefen (Anm.: im 1500-m-Semi-Rennen) aber taktische Fehler.“

Anstrengungen für Olympia

Im Innenraum verabschiedete DESG-Präsidentin Stefanie Teeuwen mit Torsten Kröger, Daniel Zetzsche und Jonas Kaufmann-Ludwig erfolgreiche ST-Recken mit einem herzlichen Dankeschön und Ehrennadeln. In der Energie-Verbund-Arena trafen sich fast alle Persönlichkeiten der deutschen ST-Szene der Vergangenheit. Ein Schmelztiegel dieses Sports. Und die sahen vor allem kanadische Siege: „Ahornblätter“ fegten über das 111-m-Rund. Uncroyable. Aber auch europäische Nationenen wie Ungarn, Frankreich oder Belgien melden Fortschritte. Ein Jahr vor den Winterspielen in Südkorea 2018 notiert die Szene eine Massierung der Anstrengungen.

Die besten DESG-Skater kennen das Timing. Christoph Schubert hinterfragt seine Leistung ganz konkret. „Ich könnte es besser, entwickle aber zuviel Respekt vor den Gegnern.“ Bei seinem Part zögerte er, „dabei ist der Angriff der richtige Weg.“ Erkrankungen und Verletzungen (zuletzt ein Nasenbeinbruch) hatten den Dresdner mehrfach gestoppt, ihm fehlen Weltcup-Härtetests. „Ich sehe, was ich im Training drauf habe, kriege es aber nicht umgesetzt.“ Sein Dilemma erläuterte er u.a.im TV-Interview Franziska Schenk – auch die Medien inspizierten Dresden und seine Eis-Gala. Mit Fokus auf Anna Seidel. Die 18-Jährige aber plant schon für die Zukunft. Noch spürt sie bei harten Rennen Schmerzen im Gewebe um die Bruchstelle. „Doch das ist auszuhalten. Hinten raus war es schwierig“, ihre Lauf-Analyse, aber das wird nächste Saison anders.“ Bianca Walter freut sich am Schlusstag auf die 1500 Meter. „Das ist vom Gefühl her eine völlig andere Strecke als neun Runden Prügeln über meine Lieblingsdistanz. Und wenn es zum Beginn moderat läuft, ist etwas möglich“, ihr Ausblick. Besser als „sich eine Stunde zu ärgern, dass es mir als Dritte des Viertelfinals nicht über die Zeit (es fehlte gut eine Sekunde) weiterreichte.“

i-Tüpfelchen am Sonntag

Felix Spiegl würde gerne noch das Ticket zur WM in Rotterdam lösten, an den Wänden der Dresdner Halle kündigen Plakate vom Saison-Ausklang der Shorttracker. „Mein Rennen hier war extrem hart. Man lernt aus jedem einzelnen Lauf. Das große Ziel ist Olympia – und dafür will ich mich noch mehr reinhängen – das muss gehen.“

Am Sonntag können sich die DESG-Cracks - über Wildcards – erneut mit der absoluten Elite anlegen. Der DJ legte zum Finale „We will rock you“ auf. Nur zu. Das Publikum klatschte und sang mit. Dresden erhofft sich beim Finale noch ein i-Tüpfelchen aus deutscher Sicht.