An einem für Südkorea symbolischen Tag weihten die Eisschnellläufer mit dem Beginn der Einzelstrecken-Weltmeisterschaft die olympische Halle in Gangneug ein. Während nebenan in der Eishockeyhalle die Superparty "One Year to go" losbrauste, gab Starter Garth Linder aus den USA um 17.15 Uhr den ersten Startschuss ab. Gleich nach dem ersten Paar wurde deutlich, dass es über 3000 m außergewöhnlich starke Zeiten geben wurde. Nach Claudia Pechsteins Absage vertraten Stephanie Beckert (Erfurt) und Bente Kraus (Berlin) die deutschen Farben.

In 4:09,13 Minuten lief Stephanie eine Saisonbestzeit, die für Platz 16 reichte. "Es lief wieder etwas besser, aber ich bin nicht direkt zufrieden. Es ist ein ganz kleiner Anfang mit Luft nach oben", meinte sie. "Eigentlich sind die 5000 m meine Strecke, aber bei der WM-Qualifikation war ich krank. Nun ich bin froh, dass es wieder aufwärts geht", sagte die Thüringerin, die immer noch an der neuen, von Bundestrainer Jan van Veen verordneten Lauftechnik feilt.

Wie eng die Konkurrenz zusammengerückt ist, merkte Bente Kraus. Trotz einer Saisonbestzeit (4:05,38) wurde die Berlinerin nur Zölfte. "Ich muss auf der Geraden besser absetzen. Ich nehme mir da nicht die Entspannung, die nötig ist. Das würde zwei bis drei Zehntelsekunden pro Runde bringen. Es ist viel mehr drin, wenn ich die technischen Aspekte umsetze. Seit acht Monaten arbeiten wir daran. Was man 15, 16 Jahre anders gemacht hat, lässt sich nicht sofort ablegen.” Bente freut sich nun auf ihre WM-Premiere über 1500 m und natürlich das 5000-m-Rennen.

Ab dato kann man auch Olympia-Tickets ordern, das sollte die niederländischen Fans elektrisieren. Denn mit vier Medaillen in zwei Rennen untermauerte die Oranje-Delegation ihre Ausnahmestellung. Ireen Wüst schockte die Konkurrenz mit einem Raketenstart und einer 3000-m-Endzeit von 3:59,05 Minuten. Da konnte auch Titelverteidigerin Martina Sáblíková nicht mehr kontern. Für das schnellste Männerrennen aller Zeiten über 5000 m sorgte vor allem Sven Kramer und stellte in 6:06,82 Minuten einen neuen sogenannten Flachlandweltrekord auf. Die Männer waren fast alle auf den Punkt in Höchstform, das gilt auch für Patrick Beckert. In 6:16,52 Minuten lief er eine Top-Zeit abseits der nordamerikanischen Hochlandbahnen. Aber obwohl der Erfurter zwei Sekunden schneller war als bei der WM 2016 in Kolomna (Platz 4), musste er sich mit Rang sieben begnügen. Der  Inzeller Moritz Geisreiter kam als 14. (6:23,71) ins Ziel.                                                                  

Beckert: "Das Niveau war noch nie so hoch. Ich muss anerkennen, dass die ersten Zehn Superläufe gezeigt haben. Ich hatte zuvor die Zeiten gesehen und wusste, was man laufen musste", so der Erfurter. Kurz nach dem Rennen hatte er keine Erklärung, warum so viele Konkurrenten einen derartigen Leistungssprung gemacht haben. "Ich kann nicht sagen, dass ich etwas liegengelassen habe. Die  Zeiten sprechen für die Eisqualität. Ein Riesenkompliment für die Eismeister.” Auf dem Untergrund des kanadischen Ice-Spezialisten Mark Messer stellten die Frauen über 3000 m zwei Landesrekorde und fünf persönliche Bestmarken, die Männer über 5000 m einen Landesrekord und vier persönliche Rekorde auf. Ein WM-Auftakt nach Maß – mit 178 Teilnehmern aus 24 Nationen.