Trainerseminar Kienbaum17Geballte Trainerkompetenz in Kienbaum. Foto: DESG-PresseBilanz und Ausblick. In Kienbaum, wo sich oft Deutschlands Elite in Form bringt, bezogen die Trainer der DESG Stellung zum abgelaufenen Jahr und zu den Erkenntnissen für die Olympia-Vorbereitung. Den Kernsatz formulierte Sportdirektor Robert Bartko: „Unsere Bilanz zeigt sich deutlich verbessert. Mit Medaillen bei WM und Junioren-WM, Weltcup und Junioren-Weltcup.“ Defizite „in der Breite und auf einigen Strecken“ galt es dennoch zu konstatierten. Inmitten des schwierigen Prozesses, konstant nach dem Leistungsprinzip weiter handeln. Was laut Bartko den Verband bei der bevorstehenden Strukturreform in eine gute Position hievt. „Wir greifen (mit den eingeleiteten Maßnahmen) dem Prozess vor.“ Auch der DOSB zeigte im Bundesleistungszentrum Präsenz. Es gelte, den nationalen Abwärtstrend im deutschen Sport zu stoppen, mahnte Martin Veith. Ab 2019 beginne die Umsetzung der Reformen, alle Verbände stehen auf dem Index.

Eisschnelllauf-Bundestrainer Jan van Veen blickt auf zwölf intensive Monate zurück. Und nahm, wie üblich, kein Blatt vor den Mund. Mutig sein Bekenntnis zu eigenen Versäumnissen. „Du machst Fehler, aber was machst Du mit den Fehlern? Dh.: wie korrigiert man das…?“ Im Detail nahm er Stellung, dass eigene Skater ausgerechnet beim Saison-Höhepunkt (WM) nicht ihre Top-Form abrufen konnten. Die Gründe, die Korrektur der Maßnahmen treiben den Niederländer um. Seit dieser Woche weilt er mit seinen Schützlingen beim ersten Saison-Lehrgang (vorwiegend auf dem Rennrad) in der Toskana. Auch in idyllischer Umgebung will er die Trainingssteuerung weiter intensivieren. „Es gilt, das Trainings-Tagebuch täglich zu analysieren.“ Zusammen mit den Sportwissenschaftlern des IAT ließ er Daten auswerten, die an die Komplexität der Überprüfungen von NASA-Piloten erinnern. Alles und jedes wird notiert und gecheckt.

Zusammen in der Gruppe funktioniert vieles, wobei Van Veen auch erkannte, dass „man etwas mehr Luft“ heranlassen müsse. Nach intensivsten Anforderungen, stets drei Tagen hintereinander, würden die Sportler ein gewisses Durchschnaufen benötigen. Aber gleichzeitig gelte es, wieder in der heimischen Umgebung, das Level hoch zu halten. Er fordert mehr offene Kommunikation auch seitens er mündigen Athleten. Die Trainer seien in gewissen Phasen eher in der Beobachter-Rolle, anstatt nonstop anzuleiten.

Diese Philosophie beherzigt auch der neue Junioren-Bundestrainer Erik Bouwman. Beim Seminar überraschte der „Neue“ aus Groningen die Zuhörer mit einer beeindruckenden Konzeption, umfangreich wie eine Bachelor-Thesis. Er spricht von Zwischenzielen für die Aktiven, die es alle sechs Woche zu evaluieren gelte. Die Sportler müssten „selbstbewusst“ Saisonziele, Periodenziele, Zeitraumziele, bis hin zu Medaillenzielen mit-formulieren. „Sich selbst hinterfragen und eigene Pläne erstellen“ fordert er.

Bartko beschrieb die „Podestplätze im Juniorenbereich“ als eine der offenkundigen Verbesserungen. Ebenso verteidigte er das „Bekenntnis zur Individualisierung“ im Elite-Bereich. Dass Patrick Beckert und Claudia Pechstein eigene Wege gehen. Nico und Denny Ihle bis Olympia bei Klaus Ebert trainieren, sei die Ausnahme, „gleichzeitig aber stammen sie aus unserem System.“

Acht Shorttracker bolzen, auf Anraten von Van Veen, am gleichen Ort, in Castagnetto Carducci (aber einem anderen Hotel untergebracht), Kilometer auf dem Bike. Flachetappen am Meer gehören ebenso zum Repertoire wie das typische Auf und Ab zwischen den Anhöhen der Toskana. Diana Scheibe und Daniel Zetzsche wollen ein „individuell angepasstes Programm“ absolvieren. „Wir hängen im Mittelfeld“ beschreibt Scheibe das – nicht zufriedenstellende – Ranking der Kurvenflitzer, auch aufgrund der langwierigen Verletzung von Anna Seidel. Bei den (guten) Vergleichen auf europäischem Niveau aber konnten die Skater neue Motivationen beziehen. Und die Trainerin spürt „jede Menge Willen“. Ob bei Bianca Walter, Anna Seidel, Christoph Schubert, Felix Spiegl, (feierte am 30.April seinen 21. Geburtstag) oder Rückkehrer Leon Kaufmann-Ludwig, die in der Toskana unter mediterraner Sonne Tempo bolzen.