170719 Onlinebanner 470x70 Eisschnellauf

Anna und BibiAnna und Bibi hochkonzentriert.
Foto: Schaats Foto's
Martialisch könnte man formulieren: Die Kufen sind scharf geschliffen, die Protagonisten starten mit dem Messer zwischen den Zähnen zum ersten Shorttrack-Weltcup von Freitag bis Sonntag in Budapest. Gemach, gemach! Einiges spricht für eine satte Portion Anspannung. Die ersten vier Weltcups dienen als Olympia-Qualifikation für Südkorea. „Deshalb ist jeder Weltcup wie eine kleine Weltmeisterschaft“, so ein Insider. An der Donau starten Aktive aus 44 Nationen das Unternehmen „Road to Gangneung“, dem Schauplatz der Eisschnelllauf- und Shorttrack-Wettbewerbe im Februar 2018.

Die DESG ist mit fünf Athleten beim Auftakt dabei. Und Sportdirektor Robert Bartko spürt „jede Menge Motivation.“ Inwiefern sich das in gute Platzierungen kanalisiert, mag im Moment aber niemand zu prognostizieren. Denn alles kam anders als geplant. Die besten deutschen Kurvenflitzer trainierten bei der niederländisch-amerikanischen Shorttrack-Koryphäe Wilma Boomstra. Utrecht statt Dresden. „Und alle verstanden dies als einzige Möglichkeit und Chance, sich in Olympia-Form zu bringen“, so Bartko.

„Euphorisch“ hätten die Skater das Programm in den Niederlanden absolviert. Dass Verletzungen im Fall von Tom Rietzke und Leon Kaufmann-Ludwig die deutsche Oranje-Fraktion dezimierten, gehört leider zum Business. Christoph Schubert blieb so als männlicher Solist für den Weltcup-Auftakt in Budapest und anschließend in Dordrecht übrig. Trainingspartner Felix Spiegl versucht sich jetzt für die nächste Weltcup-Serie in Asien zu empfehlen. Bei den Damen sind Anna Seidel und Bianca Walter für Starts auf allen Einzelstrecken vorgesehen. Tina Grassow und Gina Jacobs komplettieren das Quartett, das auch im Team antreten wird. Alle erfüllten die happigen Kriterien des Verbandes, basierend aus Ergebnissen der Test-Wettkämpfe in Heerenveen (Invitation Cup) und mehreren Time Trials in Dresden. Bartko, dessen Quali-System rigoros ist: „Sie unterboten die geforderten Zeiten teilweise deutlich – das stärkte ihr Selbstbewusstsein.“

Da Wilma Boomstra derzeit nur für das Trainings-Management verantwortlich ist, wird Team GER von Daniel Zetzsche betreut. Der ehemalige Spitzenläufer aus Dresden unterbrach seine Trainer-Ausbildung, um der DESG zur Verfügung zu sehen. Er hospitierte zuletzt zwei Wochen in Utrecht – der inhaltliche Austausch der Anforderungen soll nun Früchte tragen. Richtung Olympische Spiele. Dorthin gelangt man als deutscher Shorttracker mit einem Halbfinalplatz oder zwei Viertelfinale-Teilnahmen bei den Weltcups, jeweils auf der gleichen Strecke. Die Latte liegt hoch, wenn man bedenkt, dass Top-Nationen wie Korea, China oder die Niederlande mindestens zwölf Sportler nach Budapest entsandten. Anna, Bianca, Christoph, Tina und Gina aber weilen schon seit Sonntag in Ungarn – dem Zufall wird nichts überlassen. Mit Ex-Skater Robert Becker, der sein Ingenieursstudium abschloss, steht zudem ein kompetenter Technik-Spezialist am Rande der Bande. Um den Kufen den schärfst möglichen Schliff zu verleihen… 

Team GER in Budapest und Dordrecht: Anna Seidel, Bianca Walter, Tina Grassow, Gina Jacobs und Christoph Schubert