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Erleichterung bei Anna Seidel. In Dordrecht qualifizierte sich die 19 Jahre alte Dresdnerin für das Viertelfinale über 1000 m - als Zweite ihres Vorlaufs hinter der kanadischen Weltklasseläuferin Marianne St-Gelais und erfüllte damit die DESG-Olympianorm, die über 1000 m mindestens zweimal ein Viertelfinale lautet.

Beim ersten Weltcup in Budapest hatte sie ebenfalls das Viertelfinale erreicht. "Ich bin sehr sehr glücklich, dass Anna es geschafft hat", freute sich Trainerin Wilma Boomstra. Anna Seidel sagte: "Ich bin sehr glücklich. Vor dem Lauf war ich sehr aufgeregt. Ich wollte die Norm unbedingt holen. Mit diesem Druck wollte ich nicht wieder ins Training gehen. Der 1000 m-Vorlauf ist so gelaufen, wie ich ihn mir vorgstellt habe. Die 1000 m und die 1500 m bereiten mir am meisten Spass. Sie sind taktischer als die 500 m", so die junge Dresdnerin. Daniel Zetzsche: “Sie hat auch körperlich stark dagegen gehalten – und ist clever gelaufen.”

Für Bianca Walter bedeutete Platz vier im 1000 m-Vorlauf die Endstation. Vor der lautstarken Kulisse von 2500 niederländischen Schulkindern hatte sie es gegen Lokalmatadorin Suzanne Schulting, die Britin Charlotte Gilmartin und 500 m-Weltmeisterin Kexin Fan (China) aufnehmen müssen. Biancas Mutter und Grossmutter genossen die coole Atmosphäre. "Wir sind richtig froh, dass Bianca die 1500 m-Olympianorm geschafft hat. Endlich. Hinter ihr liegt ja auch ein langer Anlauf. Das wäre wirklich etwas, wenn sie für Südkorea nominiert würde", meinte die Mama. 

Für die Überraschung sorgte die Damenstaffel über 3000 m mit Anna Seidel, Bianca Walter, Gina Jacobs und Tina Grassow. Sie zog in 4:15,157 Minuten als Viertelfinalzweite hinter Kanada ins Halbfinale ein. Der Hallensprecher motivierte das Quartett auf Deutsch. Die kleine Gruppe deutsche Fans schwangen schwarz-rot-golddene Fahnen. Als zweitschnellste Vorlaufdritte hatte es in 4:17,00 für die nächste Runde erreicht. Zuvor hatten die Teammitglieder ihre Stärken und Schwächen analysiert, Trainer Daniel Zetschke seinen "Plan" entwickelt. Die Hauptarbeit nahmen die in Utrecht trainierenden Walter und Seidel auf sich. "Nach dem Vorlauf hat uns der Trainer den Marsch geblasen. Das hat geholfen", berichtete Bianca. "Ich freue mich nun auf das Halbfinale. So kann es weitergehen. Wir haben richtig mitgehalten und das Rennen mitgeprägt", meinte Tina Grassow, die eine Comeback-Saison erlebt. "Ich kämpfe, gehöre keinem Kader an, habe mich alleine zurückgekämpft. Es ist nicht leicht, in Dresden parallel zum Vollzeitstudium zu trainieren. Trainer Daniel Zetzschke tüfftelte mit mir den Trainingsplan aus”, so die Studentin, die 2007 Staffelgold bei der Europameisterschaft gewonnen hatte. Auch Schlussläuferin Anna Seidel atmete erleichtert auf. Mit ihrem taktischen Verhalten hatte sie Japan zu einem Fehler gezwungen, der mit einem Penalty bestraft wurde. Deutschland rückte auf Platz zwei vor.

Trainer Zetzschke war sichtlich erleichtert: die Quartett hat immer noch Aussicht auf die Olympiaqualifikation der besten acht (Weltcup-)Teams. "In Budapest habe ich gesagt, dass der Vorlauf der beste Lauf war, den ich von diesem Team je gesehen hatte. Heute war ich mit dem Vorlauf total unzufrieden. Bei den Wechseln hatten wir zu viel Geschwindigkeit verloren. Ich befürchtete, wir schaffen es nicht mehr, über die Zeit weiterzukommen. Im Viertelfinale haben sie aber eins draufgesetzt und sich extrem gesteigert. Sie waren sehr aggressiv. Gemeinsam trainieren sie sehr wenig zusammen. Darum ist es sehr wichtig, hier Rennerfahrung zu sammeln.” 

Für Christoph Schubert, der als einziger deutscher Mann in Dordrecht antritt,  reichte Rang vier in der 1000 m-Qualifikation mit einer guten Zeit nicht fürs Weiterkommen. Die Konkurrenz ist immens: aus 43 Ländern stehen 253 Sportler und Sportlerinnen in der südniederländischen Stadt am Start.