Sieg_in_Obihiro_dpa_2Samuel Schwarz - wenn Träume wahr werden. Erster Weltcup-Sieg in Obihiro. Foto: picture alliance / dpaIrgendwann am Abend in Obihiro kreisten die Gläser. „Wir haben mit Sekt angestoßen, auf die Erfolge während der gesamten Asien-Wochen“ erzählte Teamleader Helge Jasch, als im Hintergrund die Stimmung ihren Höhepunkt erreichte.

Kein Wunder: am Schlusstag des Weltcups in Japan feierte Jenny Wolf ihren 55. Weltcupsieg, eigentlich business as usual, aber aufgrund der Rückenbeschwerden mehr als ein dickes Ausrufezeichen. In 38,03 Sekunden über 500 Meter. Dass Samuel Schwarz (27) dagegen seinen ersten derartigen Coup vollbrachte, riss selbst Insider im weit entfernten Europa aus dem Schlaf. „Wie bitte?“ die erste Reaktion von Frank Dittrich, vor neun Jahren für den letzten DESG-Weltcupcoup bei den Herren verantwortlich. Damals in Den Haag über 10 000 Meter, jetzt vollbrachte Samu das Wunder auf der dynamischen 1000-m-Distanz in 1:09,98 Minuten. Geschlagen vom Berliner: u.a. Olympiasieger Shani Davis (1:10.17, Rang 2). Das gesamte deutsche Team versammelte sich spontan im Innenraum, der Triumphator drohte erdrückt zu werden… „Einfach nur unfassbar“, seine ersten Worte. Vorgänger Dittrich: „Dass es jetzt gerade bei den Männern hingehauen hat, zeigt, dass der Aufwärtstrend offenkundig ist. Nun hoffe ich, dass sich dieses Hoch dann auch bei der Einzelstrecken-WM in Inzell wiederholt.“
Auch Jasch fiel es schwer, nüchtern zu analysieren, was da vorgefallen war. „Ein Überlauf, ein perfektes Ding. Alles hat gepasst.“ Die Entwicklung der letzten Wochen aber hatte schon angedeutet, dass Samuel Schwarz den Bogen raus hat. Bei den Deutschen in Erfurt, dem Heim-Weltcup in Berlin, kündigte er an, dass die Top Ten nun in Reichweite sind. In China schnellte er sich bereits auf Rang 4  - jetzt das Erfolgserlebnis pur. „Wir haben hier ein tolles Teamergebnis abgeliefert und können einerseits getrost in die Winterpause gehen, wie andererseits optimistisch dem zweiten Weltcup-Block entgegensehen“ (Jasch).
Ergebnisse lesen macht für die zunehmend größere Gemeinde der deutschen Skating-Fans einfach nur Spaß. Aber zwicken musste sich der eine oder andere schon, um zu realisieren, was im Orient so alles passierte:  Wolf 1., Hesse 6, das 500 m-Resultat. Über 1000 m reihte sich das Trio Monique Angermüller, Judith Hesse, Gabriele Hirschbichler auf den Rängen 4, 5 und 6 ein. Beim Schwarz-Festival bestätigte Nico Ihle als Achter, dass One-Man-Shows der Vergangenheit angehören. Im Land der aufgehenden Sonne ist auch die Saat der Neu-Orientierung im DESG-Lager aufgegangen. Team Germany verabschiedete sich per A380-Supervogel als Kufen-Großmacht aus Japan. Und das ist kein Märchen…

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