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Medaillengewinner2Medaillenkandidaten im Interview. Nico Ihle, Claudia Pechstein und Patrick Beckert beim DESG-Medienseminar. Foto: DESG-PresseAlljährlich bittet die DESG zum Medienseminar. Das ist längst ein „Must-Have“-Termin für die Sportjournalisten, erst recht zu Beginn eines olympischen Winters. Vor allem da im Vorfeld der Deutschen Meisterschaften alle Top-Skater zunächst einmal auf dem Podium Platz nahmen. Um dort kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Agenturen, die Öffentlich-Rechtlichen, regionale und überregionale Medien hatten Vertreter nach Inzell entsandt. Um Sportdirektor Robert Bartko gleich die Oly-Frage zu stellen „Was erwarten Sie von Gangneung!“. Antwort: „Jetzt beginnt der Winter, auf den wir vier Jahre hingearbeitet haben.“ Und er nennt „vier Optionen“, die im Februar 2018 in Südkorea stechen könnten. Gemeint sind die WM-Medaillengewinner Claudia Pechstein, Nico Ihle und Patrick Beckert, sowie die Team-Pursuit-Damen, schon im letzten Jahr auf und knapp neben dem Podest.

Ein Thema, das Bundestrainer Jan van Veen in der Vorbereitungsphase mit Akribie verfolgte. Zahlreiche Einheiten auf dem Eis, mit Startübungen, Wechseltraining, Beschleunigungen etc. liegen hinter den Athletinnen. Niemals zuvor wurde der Team Pursuit so professionell angegangen. Daraus entwickelte sich ein echtes Wir-Gefühl. „Der Zusammenhalt ist ständig gewachsen. Sodass jede die fünf Extra-Prozent bringen kann“, glaubt Gabi Hirschbichler. Van Veen: „Das war das Gegenteil von nur ein bisschen Hinterherlaufen.“ Doch man dürfe nicht denken, so ließe sich „einfach eine Medaille gewinnen. Im Gegenteil. Es ist hochkompliziert.“ Auch bemerkenswert: diesem Ziel werden andere untergeordnet. Ob Roxanne Dufter, Isabell Ost, Gabi oder Youngster Michelle Uhrig: die TP-Damen erklären die Verfolgung zur primären Challenge 2018. Nur Claudia Pechstein kann nach Höherem greifen. Neun olympische Medaillen hat sie im Schließfach auf der Bank deponiert – Platz für mehr ist gegeben.

Meint auch Nico Ihle, ein echter Hoffnungsträger der DESG. Der Sprinter spricht vom „Rückenwind“, den ihm WM-Silber über 500 Meter verleihe. Sein Training, mal im heimischen Chemnitz, mal in Berlin, verlief störungsfrei, er fühle sich „so fit wie nie“. Schon rein optisch ist das offenkundig: austrainiert, nochmals ein, zwei Kilo weniger, dafür aber mit mehr Muskelmasse. Nico ist bereit. Patrick Beckert auch. Zusammen mit Bruder Pedro, unter Anleitung seines kanadischen Coaches, geht der Erfurter seinen Weg. „Ich bin nicht der Typ, der täglich den Tritt in den Hintern braucht, habe meinen Eigenantrieb.“ Der ihn zur Medaille führen soll, über 10 km sind die Chancen intakt. Auch seit Patrick auf Vorschlag der DESG-Trainerkommission wieder der Bundeswehr angehört.

Das alles sind die kurzfristigen Ziele. „Doch wir arbeiten auf vielen Ebenen“, verweist Bartko auf die komplette Neuausrichtung des Verbandes. „Der Gipfel der Herausforderungen steht uns erst noch bevor.“ Eine olympische Medaille bei den Winterspielen in Asien aber würde manches einfacher gestalten.

Bemerkenswerte Informationen leitete auch der Bundestrainer an die Medien weiter. Dass Moritz Geisreiter nach seinem schwierigen Jahr wieder weit nach vorne kommen könne.  Basis war die gezielte Aufarbeitung der Probleme, die getroffenen Konsequenzen, die den Langstreckler aus Inzell auch mental aus der Talsohle führten. Van Veen erwartet von Roxanne und Joel Dufter, den Rookies des letzten Winters, den nächsten Leistungsschritt. Und sagt: „Wir gehen besser vorbereitet in den Winter.“ Ergänzt aber umgehend, dass auch die anderen Nationen kurz vor Olympia den Schalter in den „Alles-oder-Nichts-Modus“ umgelegt hätten. Die vier bevorstehenden Weltcups werden Aufschluss über den Leistungsstand und die Hoffnungen für Korea geben.

Die Shorttracker sind eine Kufenspitze weiter. Anna Seidel und Bianca Walter liegen in Sachen Norm auf Olympia-Kurs – und präsentierten sich den Medienvertretern via Skype-Schaltung aus Utrecht. Ihre Trainerin Wilma Boomstra loben sie als „starke Persönlichkeit, die Drive hat, Zweifel beiseite räumt, gewissenhaft arbeitet.“ Der Umzug nach Holland sei „ein Riesen-Abenteuer. Und das Beste, was uns passieren konnte.“ Aber vor den nächsten Weltcups in Asien gehe es „nochmals in die Vollen.“ Mehrere Journalisten nickten anerkennend. Das ST-Duo war auch aus 900 Kilometer Entfernung „mittendrin“ im Medienseminar der DESG. Und mindestens so motiviert wie die Eisschnellläufer am Wochenende ihrer nationalen Titelkämpfe.