Anna DDAnna Seidel: Motivierter Blick Richtung Olympia.
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“Eine Super-Veranstaltung, ein tolles Publikum”, zog DESG-Sportdirektor Robert Bartko sein Dresdner Shorttrack-Fazit. Und damit eine “würdige Verabschiedung” der für die Spiele qualifizierten Sportlerinnen Anna Seidel und Bibi Walter. “Anna hat mit einer Superleistung, mit der sie sich vor allem im Halbfinale keck durchgesetzt hat, Selbstvertrauen und Motivation getankt. Mit dem, was sie hier gezeigt hat, ist auch in Südkorea alles möglich” (Bartko). Im Finale über 1000 m holte die 19-jährige Dresdnerin die EM-Bronzemedaille, weil sie sich körperlich robust Platz verschaffte. “Hier läuft keine mehr nett”, ihre Erkenntnis. Coach Daniel Zetzsche nickte anerkennend: “Sie hat den Schalter in den Race-Modus umgelegt.” Noch ein Fingerzeig Richung Olympische Winterspiele.

Fast entschuldigend bat Anna Seidel dann die zahleichen Reporter, ihr nach dem dritten Platz etwas Luft zum Atmen zu geben. “Ich muss doch gleich noch im Superfinale über 3000 Meter antreten...” Und dann natürlich beim Staffel-Countdown. Gemach, gemach: professionell auch der Medien-Marathon der stets freundlichen Abiturientin. In ihrem sächsichen Wohnzimmer meldete sie sich – nach schwieriger Verletzung und langwieriger Reha – eindrucksvoll zurück. Über 1500 m gab es noch Adaptionsprobleme, dann ging der Knopf auf. Der EM-Sonntag gehörte ihr, das an der Elbe wie gewohnt sehr zahlreiche Publikum geriet aus dem Häuschen. Als Zuckerchen dann noch Rang 6 im EM-Mehrkampf-Ranking.

Für den Verband hat auch viel funktioniert. Anna und Bianca Walter (nur hauchdünn am 1000-m-Halbfinale gescheitert) kehrten gestärkt aus dem “Camping-Camp” Utrecht zurückt. Was zunächst als Wagnis, die Mädels nannten es “Abenteuer”, angesehen wurde, machte das DESG-Duo stärker. Die niederländische Trainerin Wilma Boomstra besitzt einen entscheidenden Anteil: ihre Handschrift sorgte für technische Fortschritte und mentale Zuversicht. Bei den Herren blieben die Ergebnisse dagegen hinter den Erwartungen zurück. Christoph Schubert versuchte das Unmögliche wahr zu machen, “battelte” sich im 1000-m-Viertelfinale sogar mit Oranje-Star Sjinklie Knegt. Mutig – aber sein olympischer Traum platzte.

Keiner der Fans wagte es vor dem Staffelfinale die EnergieVerbund-Arena zu verlassen. Das DESG-Quartett gegen das europäische Establishment. Auch bemerkenswert. Der MDR hatte kurzfristig die Möglichkeit für einen Livestream erhalten – und sendete die komplette Sonntagsgala. Auch dort zu verfolgen, wie Bianca Walter, Gina Jacobs, Tina Grassow und Anna Seidel die Pace der Top-Teams mitgingen. Ehe acht Runden vor dem Ende ein Sturz beim Wechsel den Medaillentraum beendete. Wäre auch zu schön gewesen. 

Spiegl: Zahntechnik statt Eis

Mehr als eine Schluss-Notiz gab Felix Spiegl in Dresden bekannt. Der 21-Jährige aus München wird seine Karriere beenden. Seit 2002 auf Shorttrack-Kufen unterwegs, 2014 in den DESG-Hotspot Dresden umgezogen, 2016 EM-Dritter (1000 m), aber zuletzt ohne die erhoffte Olympia-Qualifikation, will der Bayer andere Lebens-Akzente setzen. “Ich werde nach München zurückkehren, dort Zahnmedizin studieren.” Der Papa hat eine Praxis, vielleicht einmal der künftige Arbeitsplatz für Spiegl. Vor allem Rückenprobleme ließen diesen Entschluss reifen, selten hatte er deshalb im ST-Camp Utrecht das volle Programm absolvieren können. “Work in silence” lautet das Lebensmotto des Skaters, der bei der EM in Dresden - seinem letzten Wettkampf - mit der Staffel das B-Finale erreichte. Die Weisheit für die Nach-Sport-Ära?