2018 01 21 3918Befreiungsschlag für Nico Ihle.
Foto: DESGphoto/L.Hagen
Das letzte Wort hatte Bundestrainer Jan van Veen. Und das kann durchaus zuversichtlich Richtung Olympia stimmen: “Es war eine gute Wahl, hier mit unseren Besten anzutreten, besser als irgendwo separat zu trainieren. Schon aufgrund dieser Atmosphäre bei einem Heim-Weltcup.” Das DESG-Team reiste gestärkt ab – auch wenn die ersehnte Medaille am Ende um drei Hundertstel verpasst wurde. Das Top-Resultat hatte – einmal mehr – Nico Ihle geliefert. Vierter im zweiten 1000-m-Rennen (1:08,98 Minuten), unmittelbar vorher Fünfter über 500 m in 35,05 Sekunden – und da nur 5/100 vom Podest entfernt. Van Veen zeigte sich beeindruckt vom Sprinter aus Chemnitz: “Wer zweimal so läuft, kann auch gewinnen.”

Nico kann vieles heute gut einschätzen. Er hätte gerne vom Podium “das Heimpublikum” gegrüßt. “Aber es sollte nicht sein.” Und schon folgte seine Analyse. An der Frische gelte es zu arbeiten, am Angang über 500 Meter. Und dass er auf der längeren Strecke in Runde eins mehr Vorsprung herauslaufen müsse. Dazu will er in den nächsten Wochen in Berlin mit Bruder Denny als Zugpferd und Coach Klaus Ebert an der Bande auch beim Krafttraining “eine Schippe drauflegen.” Und erst danach “mal die Luft rauslassen und mich in Watte packen.” Unmittelbar vor dem Abflug nach Korea.

Über die 1000 m arbeitete sich Joel Dufter zurück, im wahrsten Sinne des Wortes, nach gesundheitlichen Problemen, “die anscheinend viele Körner gekostet haben.” Er spüre aber “wieder mehr Gefühl für das Eis”, ein kleiner Schritt nach vorne. Doch ein grober Kurven-Platzer ließ sich nicht mehr wettmachen.” Schön für’s Auge. Als Sieger der Division B über 500 Meter flirtete der Inzeller mit dem höchsten Podest in der wieder gut gefüllten Gunda-Niemann-Stirnemann-Halle.

Schwester Roxanne, von einer großen Delegation aus dem heimischen Chiemgau angefeuert, hat die schwache EM abgehakt. Zweimal Top-Ten, überraschenderweise auch über die eher ungewohnten 3000 Meter, die sie ebenso in Angriff nahm (4:10,68) wie Gabi Hirschbichler am Vortag die 1500 m. Van Veen weiß warum: es gilt die Damen im Hinblick auf den Team Pursuit zu stärken: für das olympische Rennen von Gangneung, ein dominantes Saisonziel. Roxanne Dufter nannte ihre vorderen Ränge “wichtig für den Kopf”. Vor Jahresfrist sei sie im Vorfeld des Saison-Höhepunktes, dem Weltcup in Berlin, wirklich mies gelaufen, jetzt scheint der Formaufbau besser zu passen.

Claudia Pechstein, in diesem Winter schon bärenstark und ganz oben, war stark gehandicapt in Thüringens verschneite Hauptstaft gereist. Eine massive Virus-Erkrankung hatte die fünfmalige Olympiasiegerin lange im Griff. Die Konsequenz: im direkten Duell mit der späteren 3000-m-Siegerin Ivanie Blondin aus Kanada konnte die 45-Jährige auf ihrer “Nebenstrecke” die Pace in der zweiten Rennhälfte nicht mitgehen: Rang 11.

Ein dickes Lob heimsten die Veranstalter um Marian Thoms von den ISU-Vertretern ein. DESG-Präsidentin Stefanie Teeuwen lobte das sportbegeisterte Publikum und die Arbeit der Eismeister. Der Beweis: Oranjes 1000-m-Dominator Kjeld Nuis umkurvte das Rund in 1.08,40 Minuten und stellte den Bahnrekord ein.