Anna Bibi Daniel Oly RingeBianca Walter mit Anna Seidel und Trainer Daniel Zetzsche unter den Olympischen Ringen.
Foto: Anna Seidel/Facebook
Mit 27 Jahren erlebt Bianca Walter jetzt ihre olympische Premiere: das Ergebnis eines jahrelangen Nie-Aufgebens der Dresdnerin. Zusammen mit Anna Seidel vertritt sie die deutschen Farben im Short Track. Und steht damit mittendrin im Hype zwischen den fünf Ringen – für Gastgeber Korea ist die Kurvenjagd das olympische Highlight schlechthin. Das spüren vier DESG-Damen täglich bis in ihre Zimmer-WG in Gangneung. Zusammen mit Anna sowie Judith Dannhauer und Michelle Uhrig bewohnt Bibi eine Wohnung. „Drei Bundespolizistinnen, wir sind also sicher.“

Im dritten Anlauf hat es geklappt. Aber vorher galt es Enttäuschungen zu verkraften...

„2010 war ich noch recht jung und nur in der Staffel am Start, da tat es mir mehr weh für das Team als für mich persönlich. Es war dann aber vor allem 2014 sehr schwer, nicht an den Spielen teilnehmen zu können, da meine vorangegangen Saisons in eine ganz andere Richtung gezeigt hatte. Aber auch da konnte ich mich wieder aufraffen. Ich wollte 2018 dann unbedingt dabei sein: dafür habe ich nochmals vier Jahre 110 Prozent gegeben. Höhen und Tiefen erlebt und jetzt bin ich stolz darauf, endlich hier stehen zu dürfen.“

Was stärkte Deinen Willen immer wieder?

„Ein Sportlerleben läuft nie konstant in eine Richtung. Es geht unendlich oft rauf und runter. Aber das macht einen stärker, wenn man sein Ziel vor Augen hat und den Glauben an sich selbst nicht verliert. Mir ist es oft schwergefallen, aber mit der Hilfe von außen (Familie, Freunde, Betreuer) kommt man aus jedem Loch gestärkt wieder hervor und kann neu angreifen.“

Dabeisein ist viel – aber nicht alles. Was erwartest Du sportlich?

„Deutschland ist eine Leistungsgesellschaft, immer auf der Jagd nach Medaillen und besten Platzierungen. Aber realistisch gesehen geht es bei mir darum, mit vielen starken Läufen zu überzeugen und in die Top 16 auf einer der drei Strecken zu gelangen. Damit wäre ich mehr als zufrieden und würde glücklich nach Hause fliegen.“

Und die Magie der Spiele – der viel zitierte olympische Geist…?

„Ich habe eigentlich keine Erwartungen in dem Sinne. Ich konnte es bisher nur im Fernsehen oder aus Erzählungen erahnen, wie großartig es sein muss, mit seinem Team an diesem Event teilzunehmen. Ich habe mich als erstes sehr auf die Einkleidung von Adidas gefreut und dann vor allem auf das Miteinander verschiedener Sportarten und Länder im Olympischen Dorf über alle Grenzen und Vorurteile hinaus. Sport verbindet bekanntlich und überwindet Grenzen. Erwartungen hatte ich in dem Sinne vor allem an die Politik, dass es sichere und faire Spiele werden und es keine bedenklichen Situationen unmittelbar vor und während der Spiele geben wird. Nur so können wir Athleten uns auf das konzentrieren für das wir hier sind und jahrelang geschuftet haben - den Sport.“

Was hast Du von zuhause mitgebracht?

„Ich habe einige Glücksbringer von zu Hause in meinem Zimmer untergebracht, u.a. eine von meiner Familie geschenkte kleine Olympiakette oder von meinem Freund eine Olympiafahne mit Wünschen und Motivationssprüchen meiner engsten Freunde und vertrauensvollsten Trainern drauf.“

Noch ein Wort zu Wilma Boomstra, eure niederländische Trainerin.

„Sie hat einen sehr großen Teil dazu beigetragen, dass wir zwei heute hier dabei sein dürfen und wir sind glücklich diese Chance des letzten halben Jahres in Holland bekommen zu haben. Ich bereue nichts und bin froh, diese Entscheidung getroffen zu haben und mich ihrem Team mit anzuschließen. Ich werde alle vermissen, aber bestimmt irgendwann irgendwo wiedersehen. Und Wilma werden wir sicher etwas Schönes von hier mitbringen. ;-)“