Patrick 5000 MdJPatrick: 10 000 m bis zur Kotzgrenze. Foto: Martin de JongDie (naheliegende) Frage hätte man sich verkneifen sollen. „Welches sind die Schmerzen, die ein 10-km-Rennen auslöst?“ Moritz Geisreiter mag das am Tag vor der Höchstanstrengung bei den Olympischen Spielen nicht thematisieren. Patrick Beckert auch nicht, meint dann aber, erst gehe es in den Beinen los, dem Rücken „und dann kommen noch Kopfschmerzen.“ Beide meinen, es ging bis zur Kotzgrenze, obgleich das in der Praxis eher nicht passiere. „Aber wir müssen auch darüber hinausgehen“ (Patrick).

Und beide wollen Maximales, was maximalen Einsatz erfordert. Oder eben noch mehr, falls überhaupt möglich. „Es geht gegen Sven Kramer, Jorrit Bergsma, Ted-Jan Bloemen“ nennt Beckert, die drei Favoriten aus den Niederlanden und Kanada, von denen es einen zu schlagen gibt, um das Podest zu erreichen. Das ist das große Ziel. Auf diese rund 13 Minuten hat der Erfurter „vier Jahre hingearbeitet.“ Auf unterschiedliche Weise. Mal in einem niederländischen Team, dann zuhause mit Bruder Pedro und kanadischem Coach. Mit vielen Entbehrungen, aber guten Ergebnissen im Weltcup. Und beim WM-Zehner vor Jahresfrist stürmte der 27-Jährige im Gangneung Oval auf Platz 3. Bronze. Ja...

„“Die Chance ist, aber es wird alles andere als leicht“, redet der Thüringer nicht um den heißen Brei herum – Trainer Gabriel Girard, voll ins DESG-Betreuerteam integriert, macht in der Mixed Zone schnell ein paar Schnappschüsse. Und bestätigt die Analyse seines Schützlings: „Er ist um einiges besser geworden als vor zwei Jahren. Die anderen jedoch auch.“ Entsprechend eng geht es hinter Überflieger und 5000-m-Goldjunge Sven Kramer zu. Doch damit endet auch schon der Vergleich zwischen der kürzeren Langstrecke und dem Quasi-Marathon. „Die 5000 haben nichts mit den 10 km zu tun.“ Andere Welten, extremere Belastungen. Das könne nur jemand verstehen, der schon mal in diese Dimension vorgerückt ist. „Wenn sich das gesamte Sichtfeld verengt“, wie es Moritz Geisreiter beschreibt. Alles ist so weit weg – der Läufer auf sich alleine gestellt. „Der härteste Stress. Die trockene Luft kommt dazu und man kann natürlich unterwegs nichts trinken“, gewährt Patrick Blicke in die Leidensphase eines 10 000—m-Dauerbrenners zu. Kräfteschonend starten ist tabu, „denn schon vorne darf man nichts verlieren.“

Gute Nacht! Also Alpträume vor der ultimativen Challenge für Olympia-Heroen? Moritz winkt energisch ab: „Das raubt mir nicht den Schlaf“, weil er wisse, dass er gut vorbereitet sei. Aber Vorfreude sieht natürlich auch anders aus. „Man kann sich nicht auf etwas freuen, was so weh tut.“