Miro InterviewMiro bei der Einkleidung. Konzentration auf den neuen Job. Foto: DESG-PresseLetzte Woche konnte Miroslav Boyadzhiev (34) im bayerischen Erding die Olympia-Kleidung anprobieren. Zwei voll gepackte Koffer als Zeichen dafür, dass für Miro ein neues Kapitel beginnt. Bisher für den Nachwuchs zuständig, steht der gebürtige Bulgare – nach dem Ausscheiden von Mike Kooreman – als Shorttrack-Bundestrainer kommissarisch bis Saisonende an der Bande. Vor Sotschi gilt es in Dresden „Maß zu nehmen“. Miro wohnt in Freiberg, die Halle am Elbufer empfindet er längst als zweites Zuhause: die EM als „Kick“ für die Winterspiele am Schwarzen Meer.
Dabei durfte der Coach den olympischen Geist schon einmal spüren. „Ich war 2002 in Salt Lake City für Bulgarien am Start“, blickt er auf seine aktive Zeit zurück. Begonnen hatte die Karriere beim Eiskunstlaufen, dann tendierte Miro zum Basketball – und skatete sich auf die kurze Bahn zurück. „Weil Short Track damals bei uns immer populärer wurde“ – 1997 bestritt er seine erste Junioren-WM.
Anschließend ging der Globetrotter, der auch russisch (die Oma ist Russin) und Englisch spricht, sich selbst Deutsch beibrachte, auf Tour, wollte in Nürnberg studieren, konnte aber nicht vom Sport lassen, schickte zig Bewerbungsbriefe an deutsche Vereine und erhielt von SLIC München eine Zusage. Nach einem letzten Einsatz für Bulgarien (Staffel-EM 2003) trat er 2006 in den DESG-Trainerstab ein, arbeitete als Assistent der Bundestrainer Eric Bédard und Mike Kooreman.

Noch besitzt Miro die bulgarische Staatsbürgerschaft, will sich aber nach den Spielen um einen deutschen Pass bemühen. Vorher möchte er alles geben – das verlangt er auch von seinen Sportlern. „Ja, ich bin ein harter Typ. Disziplin spielt für mich eine große Rolle.“ Ein „Kochbuch“ zur Anleitung für die beste Vorbereitung gäbe es ohnehin nicht, doch auch mittels guter Kommunikation hat Miro in kurzer Zeit ein System erarbeitet, das bei den Athleten ankommt. Er spürt die Motivation und die gute Stimmung – eine EM-Medaille in Dresden könnte den richtigen Schub verleihen. Darauf hoffen auch die Verantwortlichen der DESG.
Boyadzhiev ist Realist. Er kennt die konditionellen Probleme einiger Läufer, beschreibt es als „Rückschlag“, dass mit Anna Seidel und Robert Seifert nur zwei Sportler das Sotschi-Ticket lösen konnten. Wobei das Hauptziel der 15-jährigen Dresdnerin ohnehin die JWM unmittelbar nach Sotschi bleibt, während der 500-m-Spezialist, schon Weltcupsieger über diese Distanz, nach den Sternen greifen kann. „Er hat sich viel vorgenommen – man muss sich hohe Ziele setzen. Bislang ist in dieser Saison manches schief gegangen. Doch Robert hat das Talent für eine Medaille. Jetzt kommt es darauf an, zum Saison-Höhepunkt das Beste der Saison abzurufen“, so der Bundestrainer.
Miro wirkt wie ansteckend mit seiner sachlich-positiven Art. Die hat er gewissermaßen schon vererbt. Tochter Ivet (10) versuchte sich auf den schmalen Kufen, Sohn Daniel (5) wird in diesem Sommer – natürlich in Dresden – die Kurve kratzen. Short Track ist Familiensache bei den Boyadzhievs.