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Damen Interview"Das nächste Mal sind wir dran". Die Staffel-Ladies wieder selbstbewusst. Foto: DESG-PresseEinen Superlativ im deutschen Short Track lieferte die EM in Dresden. Das Staffelfinale der Herren als prickelnder Showdown – und dann live im Fernsehen (ARD) zur Prime Time, kurz nach 18.00 Uhr: Dass Robert Seifert, Paul Herrmann, Christoph Schubert und Daniel Zetzsche das dreitägige Event mit dem Gewinn der Bronzemedaille (hinter Russland und den Niederlanden, vor Italien) beendeten, sorgte damit für ein Ausrufezeichen der besonderen Art, die Halle brodelte.
Nachdem vorher Herrmann über 1000 m mit einem neuen Deutschen Rekord von 1:25,231 Minuten, Seifert und die überzeugende Tina Grassow im Viertelfinale nur knapp an der nächsten Runde gescheitert waren. Insider konstatierten, Bundestrainer Miroslav
Boyadzhiev (34), erst seit wenigen Wochen (für den Amerikaner Mike Kooreman) in verantwortlicher Position, habe gerade seine Feuertaufe bestanden. „Die Ausländer hatten schon über uns gelästert, jetzt tut das keiner mehr.“ Aber der gebürtige Bulgare aus Sofia erlebte auch Minuten des Zitterns und Bangens, „die mich fünf Jahre meines Lebens gekostet haben.“

Am Ende fiel seine Philosophie auf fruchtbaren Boden. Auch im letzten Staffelrennen gab der deutsche Kufen-Express mutig das Tempo vor. Plötzlich wieder selbstbewusst und überzeugt, dass die Kräfte nicht mehr schwinden. In kurzer Zeit begegnen die Short Tracker der europäischen Spitze wieder auf Augenhöhe. Dass mit Anna Seidel und Robert Seifert lediglich ein olympisches Duo nach Sotschi reist, muss nur eine Momentaufnahme sein: danach kann Miro die Kurvenflitzer wieder nach vorne bringen.
Und mit Dresden verfügt man über ein Juwel. Die Fans sorgten am Sonntag für ein prickelndes Halali. Man braucht sich mit einer WM-Bewerbung nicht zu verstecken. „Eigentlich ist Dresden, auch organisatorisch, dafür fit“, glaubt Bianca Walter. Auch sie gehörte, ohne Sotschi-Ticket, nur kurzfristig zu den Deprimierten. „Allerdings kann ich mir die Fernsehübertragungen wirklich nicht antun. Ich reise lieber mit dem B-Team ins Trainingslager nach Kanada, ganz in die andere Richtung.“
Zudem: Bianca zählt erst 23 Lenze. Olympia 2018 hat sie sehr wohl im Visier. Und hofft, dass das wiedererstarkte Ladies-Team „zumindest noch eine Saison zusammenbleibt“. Wer weiß, was die EM-Gala an der Elbe so alles bewirkt. Dass ARD-Reporter Bodo Boeck den 28-jährigen Herrmann, der seine Karriere beenden will, zum „außergewöhnlichen Sportler“ und „Leitwolf“ der Staffel postulierte, könnte vielleicht ein Umdenken bewirken. Wer weiß? Auch Tina Grassow, in zwei Halbfinals (500/1500 m) vertreten und auf Rang 14 in der EM-Endabrechnung, erlebte Momente, an die sie gar nicht mehr zu glauben gewagt hatte. Und welche Auswirkungen der Bronze-Schub für Robert Seifert und seinen olympischen 500-m-Einsatz besitzt, wird man demnächst in Sotschi sehen.