170719 Onlinebanner 470x70 Eisschnellauf

Sotschi-AusblickSotschi: die "andere" Seite. Foto: DESG-PresseIm Olympic Park bleiben die Menschen stehen, um in die Ferne zu blicken. Die verschneiten und sonnenbeschienenen Berge, Schauplätze der nordischen und alpinen Wettbewerbe, bieten eine atemberaubende Kulisse. Man zückt die Kamera. Noch mehr im Fokus und direkt am Meer dagegen die Adler-Arena, das Mekka der Kufenflitzer. Wo das Eis zunehmend schneller wird, wie Shani Davis fachkundig informiert. Als Favoriten sieht der 1000-m-Olympiasieger von 2010 selbstbewusst: vor allem sich… Übrigens: im Weltcup hatte der Amerikaner schon Niederlagen gegen Samuel Schwarz einstecken müssen; doch der 30-jährige Berliner meint zurückhaltend, er gehöre eher nicht zu den absoluten Top-Leuten. Aber stopp, das ist kein Sich-aus-dem-Rampenlicht-verdrücken. „Wenn alles gelingt, ist alles möglich“, lautet die Ansage. Samu ist bereit für seine zweiten Games.

Und diese Entwicklung darf man schon mal erwähnen. Die Plätze 16 (1000 m) und 32 (1500 m) standen vor vier Jahren zu Buche. 2013 belegte Schwarz bereits den sechsten WM-Platz in Sotschi. Auch jetzt passt die Form. Nach Grundlagen- und Ausdauer-Training im Dezember mit dem Bike auf Mallorca. Danach intensive Eis-Vorbereitung, gipfelnd in einer starken Inzell-Zeit (1:09,02 Minuten) vor internationalen Mit-Konkurrenten. „Es läuft immer besser. Ich habe wieder mehr Fingerspitzengefühl.“ Ja, von der Kufe, über die Finger bis zum Kopf muss die Einheit funktionieren. Zudem stimmen das Material und die Technik zufrieden. „Das gibt Selbstvertrauen.“
Dann los, in Sotschi! „Ich bin nicht mehr so verbissen und aufgeregt wie in Vancouver, älter und erfahrener. Aber gleich euphorisch.“ Allein wieder am olympischen Rad drehen zu dürfen, sei toll. „Dabei zu sein.“ Basta.
In der Eishalle lautet das Schwarz-Motto folgendermaßen. „Auf meine Stärken besinnen, auf meine Technik, dass die Abläufe in Kurve und Gerade stimmen. Und schauen, was die Zeit am Ende wert ist.“ Der Eisschnellläufer mit der gehobenen Lauf-Ästhetik, inzwischen Familienvater, aber kein Skype- und Whats-App-Gefangener, um mit der Heimat zu kommunizieren, braucht Ruhe wie Konzentration. Bei Olympia gerne gebrauchte Schlagworte („110 Prozent bringen“) relativiert er. „Natürlich soll das der absolute Leistungs-Höhepunkt sein. Doch das Maximum sind 100 Prozent: es ist das Ziel, da heran zu kommen. Man kann sich nicht selber überholen…“ Gut gebrüllt, Löwe, äh, Samu!
Der DESG-Skater spricht von den eigenen Ansprüchen – für den Fall, dass im Umfeld die Visionen ausarten. Versucht, sich mit Musik zu entspannen. Während draußen die letzte Abendsonne die kaukasischen Gipfel quasi vergoldet. Die Menschen greifen wieder zur Kamera. In Sotschi, gleich hinter dem Strand.