Nico und MikroNico: Das Eis ist heiß. Foto: DESG-PresseHelge Jasch, Teamleader Eisschnelllaufen in der DESG, nickte anerkennend. Das deutsche Quartier im Olympischen Dorf fülle sich zusehends. „Am Anfang waren wir fast alleine, jetzt kommen nach und nach die anderen“ – auch positiv für Stimmung und Mannschaftsgeist. Und im Interview mit der dpa betonte Jasch, dass man guter Dinge sei, wenige Tage vor der Eröffnung der XXVI Winterspiele. Dazu lachte draußen die Sonne: ein Hauch Frühling erreicht das Schwarze Meer. Die Einheimischen, zuletzt konsterniert ob Kälte (morgens Eiskratzen) und Dauerregen nörgelten, 20 Grad seien normal im Februar.
Und wenn es intern noch eines Sonnenstrahls gebraucht hätte, so lieferte den Nico Ihle, der ein 500-m-Testrennen mit der Bestzeit von 35,02 Sekunden beendete. Gemach, gemach: ein Teil der Top-Sprinter, u.a. alle Niederländer, passten, andere richteten sich vor dem Ziel auf, nahmen vor der letzten Runde ihren Speed völlig raus. Bundestrainer Thomas Schubert relativierte: „Ja, ohne Druck kann man locker laufen. Wenn ihm noch zwei solche Läufe gelingen, ist es gut.“


Ihle nahm‘s einerseits gelassen, eine Bestätigung der steigenden Form sei es allemal. Sein bester Angang (9,69) überhaupt: und dann schon ein Rennen mit maximalen Einsatz. „Auch mit 35,3 wäre ich zufrieden gewesen. Solche Läufe sind mir lieber als Training, weil man sich an das Tempo gewöhnt, bei jedem Abstoß alles geben kann. Eigentlich war ich überrascht, dass es so schnell ging, denn in der ersten Außenkurve hat noch Druck gefehlt.“ Das ließe weiter hoffen. „Da geht noch was.“
Sehr gerne, Herr Ihle. Vor vier Jahren, bei seinen ersten Spielen, war der Chemnitzer in Kanada noch „irgendwo“ im Niemandsland angekommen. Hinterher ließ er sein Können aufblitzen (ein Weltcup-Podiumsplatz über 1000 m), doch konsequent kreuzten auch Verletzungen die Bahn des Sprinters. Das ist passé. Am besten solle man den Untergrund gar nicht mehr verändern, meinte er spaßhaft. Doch vor den 500 Metern am Montag läuten die Langstrecken (5000 m Herren, 3000 m Damen) den Reigen ein, das ist die Priorität für die Eis-Meister.
Ihle fühlt sich dennoch kommod. Auch in seiner Unterkunft, die durchaus an ein Strand-Appartement erinnere. „Mit Blick aufs Meer, viel besser, als erwartet.“ Und wenn ab Freitag das olympische Feuer brennt, profitieren Nico (und Zimmerpartner Alexej Baumgärtner) von einem Logenplatz mit direktem Blick auf die Stehle am Olympiastadion. Auch Judith Hesse schmeckte das Amuse gueule des Eisschnelllauf-Menüs. 4. Platz (38,31) bei einer starken Performance der Chinesin Beixing Wang (38,03), zwölfmalige Weltcupsiegerin und lange Dauer-Rivalin von Jenny Wolf. Für Wolf und Hesse geht es am nächsten Dienstag um alles. Dann haben die Spiele Fahrt längst aufgenommen, ist Kaffee-Satz-Lesen überholt.