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Siegerehrung_Damen2Der 21. Weltcup in Berlin ist Geschichte – und machte gleichzeitig Appetit auf die nächsten eiskalten Highlights. Siege für Jenny Wolf und die Goldmädels, markante Ausrufezeichen Marke Nico Ihle sorgten für ein Heimspiel mit Lorbeerkränzen. Und die Karawane zieht weiter. Die Mehrkämpfer Richtung Hamar/Norwegen, die Sprinter messen sich in Japan und China. Der nacholympische Winter ist in vollem Gange.

Wieder Goldmädels

Stephan Gneupel flippte beinahe aus. „Wahnsinn. Mit der jüngsten Mannschaft…“ Was er nicht mehr aussprach: ... Platz 1 im ersten nacholympischen Team Pursuit. „Das ist jetzt total unwirklich, ich kann’s nicht glauben“, rang Jennifer Bay (19) um Fassung. Erster Weltcupsieg im ersten Jahr bei den „Senioren“ und „eine riesengroße Verantwortung“. Aber genau das ist es, was die große Dresdnerin reizt. „Der Generationenwechsel ist für mich weniger Druck, vielmehr Freude.“
Neue Leaderin im Dreierpack ist jetzt das letztjährige „Küken“. Stephanie Beckert (22) nennt das Erfolgsrezept für die starke 3:04,91-Minuten-Zeit auf dem Berliner Eis. „Wir mussten nicht viel auf den Team Pursuit trainieren, sondern wir haben viel miteinander geredet und verstanden uns auch während des Laufs gut.“ So konnte die Lücke, die sich nach 2000 Metern kurzzeitig vor Jennifer Bay auftat, schnell geschlossen werden. „Wir haben alles richtig gemacht“, so Beckert, „aber es gibt immer noch etwas zu verbessern. Das werden wir von Lauf zu Lauf sehen.“ Dritte im jungen Bunde war die Berlinerin Isabell Ost (22), die „viel Spaß“ hatte und „schon nach vier Runden spürte, was hier geht“. Dabei musste der DESG-Schnellzug noch eine Japanerin, die zuvor stürzte, in der Kurve außen überholen. Einen Sturz mussten auch die Kanadierinnen durch Kristina Groves verkraften. Auf die Plätze 2 und 3 kamen die Trios aus den Niederlanden (3:05,50) sowie aus Norwegen (3:06,67).

D-Zug

„Wir haben nicht auf die Platzierung geachtet, sondern sind unser Rennen gelaufen“, wollte sich Marco Weber nicht um den Wirrwarr um die Zeiten und Ränge beim Weltcup-Kehraus im Team Pursuit der Herren einmischen. Unter dem Strich stand der von Chef-Bundestrainer Markus Eicher avisierte 6. Platz in 3:48,71 Minuten.
In jedem Fall ein Ausrufezeichen – nach der Nicht-Qualifikation für die Olympischen Spiele. Zuerst Robert Lehmann, dann Marco Weber und Patrick Beckert, so funktionierte das Kufensystem über acht Runden (3200 m). „Es hat eigentlich gepasst, uns fehlt aber die Geschwindigkeit“, die Kurz-Analyse.
Noch in der großen Eis-Pause vor den Entscheidungen am Sonntag hatte der D-Zug emsig Trainings-Einheiten absolviert, schließlich gab es bisher kaum Gelegenheiten, das Terzett in Einklang zu bringen. Denn das Ziel ist ausgegeben: Eine gute Vorstellung bei der Heim-WM im März 2011 in Inzell. Wildcard hin oder her: die DESG-Männer wollen sich „reell qualifizieren“. Gerade, weil es auf den langen Strecken nach wie vor etwas klemmt, könnte der Mannschafts-Wettbewerb als Katalysator wirken. „Gemeinsam sind wir stark“, sagt Weber. Um so den keineswegs besorgniserregenden aktuellen Abstand zu den Top-3 Teams USA (3:43,10 Minuten), Norwegen (3:44,65) und den Niederlanden (3:45,38) zu verringern.

Wut-Injektion

„Der Nico ist verrückt“ beschrieb Denny Ihle den Husarenstreich seines Bruders über 1000 Meter. Coach Klaus Ebert schüttelte fassungslos den Kopf. Der Stolperer über 500 m hatte sich als „Wut-Injektion“ erwiesen. Doch keinesfalls unbändig sondern technisch sauber umkreiste Ihle die 400m-Bahn. Dank einem starken Angang (16,5) und einer bombigen ersten Runde. „Aber in der letzten Kurve glaubst du: die Oberschenkel platzen. Ich fahre dann ganz eng an die Klötzchen, um jeden Zentimeter auszunützen und rette mich ins Ziel.“ In 1:09,69 Minuten, Hallensprecher Zimmermann kreierte einen „Deutschen Inlandrekord“, der starke Mann sprach von einer „selbstgemachten Medaille.“ Durchaus vergleichbar mit dem 5. Rang von Heerenveen auf der eher geliebten Sprintdistanz.
Während Shani Davis (USA) auf einer seiner Lieblingsbahnen seinen 43. Weltcupsieg feierte (1:08,83) - vor Kyou-Hyuk Lee und Simon Kuipers  - freut sich der „Chemnitz-Blitz“ auf die Weltcups in Asein. Und auch im Hinblick auf die Sprint-Weltmeisterschaft hat die DESG nun ein heißes Eisen im Feuer. Für Samuel Schwarz (13.) dagegen ist dosiertes Regenerationstraining angesagt. „Ich bin im Sack, fühle mich einfach nur kaputt“, so der Berliner nach einem unbefriedigenden Berlin-Wochenende.

Monique: „Wenn es so weitergeht…“

Monique Angermüller strahlte in die TV-Kameras und wirkte entspannt. 1:17,08 Minuten über 1000 Meter, Platz 8 – das ist eine Verbesserung um über sechs Zehntel und um fünf Ränge gegenüber Heerenveen. „Die vielen Starts dort haben mich belastet. Deshalb haben wir die Notbremse gezogen, drei Mal trainiert und jetzt auf 1000 m gesetzt. Wenn es mit ähnlichen Fortschritten weiter geht…“ Und vom Forum in Hohenschönhausen ging es für die Berlinerin direkt ins Fernsehstudio: als Gast beim „Sportplatz“ des RBB.
„Halbwegs zufrieden“ Judith Hesse, die in 1:17,53 min auf Platz 13 kam. In der Eishalle Thialf war die Erfurterin noch 16. „Es war wichtig für mich, den Startplatz in der A-Gruppe zu behalten. Erst mal kleinere Brötchen backen, schließlich war ich letzten Winter auf dieser Distanz nicht im Weltcup dabei.“ Gabi Hirschbichler verbesserte ihre Flachland-Bestzeit auf 1:18,28 min – und konnte sich trotzdem nicht recht freuen. „Die ersten 600 m waren gut, dann wollte ich zu viel und habe die Technik vernachlässigt. In Asien will ich es besser machen.“
Eine Klasse für sich auf ihrer Spezialdistanz war die Kanadierin Christine Nesbitt, die in 1:15,87 min die überraschend starke US-Amerikanerin Heather Richardson (1:16,31) sowie ein holländisches Quartett, angeführt von Margot Boer als Dritte, klar distanzierte.