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Zum Abschluss des ersten Weltcup-Meetings der Olympiasaison in der Thialf-Halle von Heerenveen zog DESG-Sportdirektor Robert Bartko sein Fazit. "Positiv für Nico ist der zweite Platz über 500 m. Das ist gut für sein Selbstbewusstsein. Die anderen Leistungsträger, die wir in Inzell beim Presseseminar vorgestellt haben, gehören zur erweiterten Spitze. Wir sind im Soll", so Bartko.

Letzter Tag des Shorttrack-Weltcups in Shanghai – und der großen Emotionen. Auf den Tribünen feierten die chinesischen Gastgeber euphorisch den zweiten Heimsieg von Wu Dajing (nach dem Sprint nun über 1000 m). Kein einziger der 500-m-Medaillengewinner von Budapest und Dordrecht erreichte das A-Finale. Jeder scheint jeden schlagen zu können, im olympischen Schräglagen-Winter. Anschließend unterlagen die Chinesinnen, deren Leaderin Zang Yize sich am Samstag verletzt hatte, mit der Staffel hauchdünn dem Team Korea. Alle chinesischen Mädels trugen bei der Siegerehrung die 14, Zang‘s Nummer. Dann flossen die Tränen. Im Relay der Männer siegten die Amerikaner um J.R. Celski („it’s amazing“) in einer Weltrekordzeit vor Korea, ihr erster Coup seit 2013. Zweimal Gold gab es für die 22-jährige Kanadierin Kim Boutin (500/1000 m), dreimal Medaillen holte Italiens ST-Legende Arianna Fontana (27): Shanghai bot vieles.

Ein Wechselbad der Gefühle bedeuteten für Nico Ihle die ersten beiden internationalen 500-m-Läufe der Saison. Nach Überraschungs-Silber zum Auftakt fand sich Nico nach dem zweiten Lauf auf Rang 15 wieder, kein Beinbruch. "Mir war es klar, dass es mal wieder so kommen kann. Jedes Rennen ist wieder ein gutes Training. Durch kleine Fehler gab es Geschwindigkeitsverluste. Einige Meter nach dem Start habe ich mit der Schlittschuhspitze das Eis berührt. Es war ein mittelmäßiges Rennen.  Über 500 m stehen mittlerweile 20 Favoriten an den Start.  Am Sonntag werde ich die 1000 Meter etwas ruhiger angehen“, meinte der Sachse.

Beginn der fünften Jahreszeit im karnevalistischen Europa – eiskalter Quali-Zwang dagegen im fernen Shanghai. Das sind die Gegensätze am 11.11. In Chinas Megapolis, auf dem schnellen Eis des Oriental Sports Centers, erklangen die Hymnen über 500 und 1500 m für Korea, China und Kanada. Drei Monate vor den Winterspielen in Südkorea puscht sich die Kurvenflitzer-Elite zur Höchstform. Die kleine deutsche Delegation hielt mit, um am Ende aber mit ein paar Sekundenbruchteilen hadern zu müssen.

DSC 5232 ISU World Cup Thialf 101117 MdJNico Ihle - DOSB-Norm im ersten Anlauf geschafft. Foto: Martin de Jong500 m-Vizeweltmeister Nico Ihle überraschte sich selbst beim Weltcup-Auftakt in Heerenveen. Der Chemnitzer raste in 34,78 Sekunden auf Rang zwei hinter dem Norweger Havard HolmefjordLorentzen (34,69) und vor Sprintweltmeister Kai Verbij (34,84). Weltberühmte Namen und gestandene Sprintgrössen wie Weltrekordler Pawel Kulischnikow (6./34,96/Russland) liess er hinter sich und hat die DOSB-Olympianorm damit bereits in der Tasche. "Das ist die zweitschnellste Zeit, nach den 34,66 von Gangneung, die ich jemals im Flachland gelaufen bin", strahlte Nico. "Das war auch erst das dritte 500 m-Rennen der Saison. Ich brauche Rennen. Die Häufigkeit machtes. Ich bin ohne Druck gelaufen. So etwas gibt Selbstvertrauen. Es ist das beste Training. Ich bin ein Wettkampftyp", resümierte der deutsche Rekordhalter.Vor dem Wettkampf hatte er schon ein sehr gutes Gefühl. "In der zweiten Kurve, die Innenkurve, bin ich in der Bahn geblieben. Ich habe die Kurve gut getroffen. Das darf gesagt werden", fügte er hinzu. Für weitere Verbesserungen arbeitet er an Kleinigkeiten, Feinheiten, nicht mehr an Kraft. "Raffinessen schaue ich von Läufern wie Kulischnikow ab," verriet er. Nico genoss den Moment auf dem Siegespodest. "Seit meinen ersten Erfolgen merke ich, dass mich die Konkurrenz immer mehr respektiert. Das fühlt sich auch gut an", lachte der Sachse, der in Thialf von seinem Familienfanclub unterstützt wird. Frau Anni und die Töchter Emma und Maxi knuffelten ihren Helden nach der Siegerehrung.

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