Stumpfes Eis, sehr trockene Luft und eine, freundlich ausgedrückt, nicht sonderlich euphorische Stimmung in der Halle – diese Vorzeichen für den Eisschnelllauf-Sprintweltcup in Changchun deuteten auf schwierige Umstände. Kein Problem offenbar für die DESG-Mannschaft, die im Gesamtergebnis einen sehr starken Eindruck hinterließ. Die schönsten Überraschungen lieferten Judith Hesse, Gabi Hirschbichler und Samuel Schwarz ab.


Aber der Reihe nach. 500 m/> der Frauen, klare Sache: Favoritin war Jenny Wolf, die alle vorigen vier Weltcuprennen dominierte. Aber, vielleicht eine gar nicht schlechte Erkenntnis, es gibt doch noch Konkurrenz. Obwohl ausgerechnet die frühere Erzrivalin Wang Beixing bei ihrem ersten Auftritt in diesem Winter nur Zehnte wurde. Doch Lee Sang-Hwa aus Südkorea ist nicht grundlos Olympiasiegerin auf dieser Distanz. Sie lief ein Rennen wie am Schnürchen und blieb im Ziel fünf Hundertstelsekunden vor der Berlinerin (38,29 s), die aber nur kurz ein wenig enttäuscht war. Klare Sache, dass Jenny die Weltcupwertung weiterhin souverän anführt. Am Sonntag kommt es zur Revanche in dem Sprint-Duell. Pudelwohl auf dem Changchuner 400-m-Eisring fühlt sich offensichtlich Judith Hesse, die im Weltcup insgesamt immer mehr aufblüht. Mit Platz 7 in/> 38,91 s demonstrierte sie, dass sie die Weltcupspitze weiter im Blick behält. In den B-Läufen überzeugten auch Monique Angermüller (3./39,61) und Gabriele Hirschbichler (4./39,68).
Bei den 1000 m/> Frauen bleibt Christine Nesbitt eine Klasse für sich, die Kanadierin gewann in 1:16,07 min klar vor US-Girl Heather Richardson. Die Sensation aber lieferte Judith Hesse ab. Die kleine Erfurterin war auf dem Podest als Dritte (1:18,04) gewissermaßen die Größte, die 28-Jährige schaffte es erstmals aufs 1000-m-Treppchen. Kaum weniger überraschend: Gabriele Hirschbichler, die in 1:18,21 auf Platz 6 vorrückte und sich erstmals eindrücklich in der Weltspitze anmeldete. Dabei war die Vorfreude auf die lange Reise in den Industrie-Moloch Changchun für die Inzellerin eher zwiespältig gewesen. Monique Angermüller (1:18,58) komplettierte als Neunte das tolle schwarz-rot-goldene Resultat.
Auch bei den Männern sah man überwiegend freudige Gesichter. Zwar musste sich Nico Ihle (13. in/> 35,82 s) in seinem Rennen über 500 m/> diesmal mit einem Platz außerhalb der Top-Ten-Ränge begnügen, aber der Chemnitzer hat den Trend, dass die DESG-Männer sich als fester Bestandteil der A-Gruppen etablieren, weiter untermauert. Für Sonntag hat sich der ehrgeizige Nico sicher noch mehr vorgenommen. Das Podium war rein asiatisch mit Sieger Lee Kang-Seok (35,10) vor den Japanern Joji Kato (35,25) und Keiichiro Nagashima (35,30).
Samuel Schwarz strahlte am Samstagabend mit Judith, Gabi und Jenny um die Wette: Platz 4 über 1000 m/>, ein Lauf ins Glück für den Berliner, der sich in 1:10,49 min nur den Niederländern Stefan Groothuis (1.) und Simon Kuipers (3.) sowie Korea-Blitz Lee Kyou-Hyuk geschlagen geben musste. Was für ein Tag! Auch Nico Ihle als Zehnter und Frank Steiner auf Platz 15 sehen die Spitzenkonkurrenz nun aus einer neuen Perspektive und dürften Selbstvertrauen für den Sonntag getankt haben. Da wartet noch einmal das gleiche Wettkampfprogramm auf die besten Kufensprinter.

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