Die Oranje-Welt hatte sich noch einmal zum Schaatser-Festival versammelt. 25 000 Zuschauer pilgerten ins denkmalgeschützte Olympiastadion von Amsterdam, um – selbst bei Wind und Regen – sich und ihren Sport unter freiem Himmel zu feiern. Eine Atmosphäre, die bei Zuschauern wie Athleten für Gänsehautstimmung sorgte. Das lag natürlich auch an den niederländischen Eisschnellläufern, die ihre stolze Jahres-Ausbeute weiter aufstockten. Dass die Allround-Weltmeisterschaft nicht zur reinen NL-Show wurde, dafür sorgte die Japanerin Miho Takagi (23), die Ireen Wüst (vorher siebenmal auf dem höchsten Podest) in der Vierkampf-Wertung auf Platz 2 verwies. Aber Silber fühlte sich für die Skating-Ikone trotzdem als Riesenerlebnis an. „Vor einem solchen Publikum zu laufen, macht dich einfach glücklich.“

Das Wellness-Feeling übertrug sich auf die durch Krankheiten dezimierte kleine DESG-Crew weniger. Genuss der Atmosphäre ja, eigene Erfolge leider nicht. Viel-Starterin Gabi Hirschbichler, vor Wochenfrist noch bei der Sprint-WM am anderen Ende der Welt (Nord-China) im Einsatz, startete stark mit Rang 2 über 500 Meter, konnte sich anschließend (3000 und 1500 m) aber nicht für die finalen 5000 Meter qualifizieren. Claudia Pechstein beendete die WM nach drei Strecken als Dreizehnte. Beide Damen sind jetzt noch für das Weltcupfinale am kommenden Wochenende in der weißrussischen Hauptstadt Minsk vorgesehen.

Moritz Geisreiter musste den ungewöhnlichen Verhältnissen im mild-regnerischen Amsterdam Tribut zahlen. Rang 22 nach der Trilogie 500/5000/1500 m. Und Titelfavorit Sven Kramer blieb im Kampf gegen die nachrückende Generation „nur“ Rang 4. Das wies Parallelen zu Olympia auf. Der starke Wikinger Sverre Lunde Pedersen, in Korea Motor des Pursuit-Goldteams, zeigte sich auch in der Grachtenstadt wenig beeindruckt vom Kramer-Kult, ging als Führender die 10 km an. Doch am Ende nach einem Sturz Platz 2 - statt Heija Norge wieder Holland Hup. Der 22-jährige Patrick Roest rockte den alten Olympia-Palast. Cool.