Isi_in_KlobensteinIsabell Ost strahlt, für einen WM-Platz hat es gereicht. Foto: DESG-PresseEs hat nicht sollen sein. Südtirol und seine Freiluft-EM hatten von vorneherein nicht optimal in die Planungen der DESG-Strategie gepasst. Im Fokus steht die Heim-Weltmeisterschaft von Inzell - und die zunehmende Spezialisierung auf die Einzelstrecken. Folglich auch nachvollziehbar, dass die Damen und Herren die finale Strecken über 5000 resp. 10.000 m verpassten.

Hauchdünn ging es zu, doch die besten Zwölf setzten den Schlusspunkt in Südtirol ohne deutsche Beteiligung. Dafür sorgten Isabel Ost und Robert Lehmann für zwei Startplätze bei den bevorstehenden Allround-Titelkämpfen in Kanada.
So intensiv war noch selten gerechnet worden: bei den komplizierten Punkte- und Klassementslisten der ISU. Weder die Trainer noch seit Jahren mit der Szene und den (häufig wechselnden) Regularien vertraute Insider vermochten sich Durchblick zu verschaffen. Die vorentscheidenden 1500 m bei den Frauen, bei schwierigen Wind-Verhältnissen zu Beginn, als das DESG-Trio Jennifer Bay, Isabell Ost und Bente Kraus die Tücken von Outdoor-Verhältnissen am eigenen Leib zu verspüren bekamen, sorgte für die Verwirrung. Jennifer und Isi verspürten das  Magenkribbeln, weil es um alles ging: eine Top12-Platzierung als Entrée für die abschließenden 5000 Meter. Rang 14 sicherte dem Verband einen WM-Platz.
„Technisch“  müsse das künftig besser laufen, kommentierte die 19-jährige Dresdnerin ihre Leistung: mit der blonden Isabell im gleichen Lauf erlebte sie eine Windkante à la Radrennen. Die Plätze 13 und 16 (über 1500 m) waren einen Tick zu wenig, wie so häufig an diesen drei Tagen in der Arena Ritten entschieden Bruchteile. Gegen die Deutschen. Dass Isabell Ost zumindest den erhofften WM-Platz gesichert hatte, stand erst nach altertümlicher Kalkulation fest, die 22-jährige Berlinerin erfuhr im TV-Interview von der überraschenden Nachricht und konnte es nicht glauben.
Während die Verantwortlichen ihr Fazit zogen. Bundestrainer Stephan Gneupel: „Wir müssen im ersten Jahr der Neu-Orientierung auf dem Teppich bleiben. Bei den Herren fiel Patrick Beckert aus, da muss ein WM-Platz als OK gelten. Bei den Frauen galt es, den Aderlass an Top-Sportlerinnen zu verkraften. Wir wissen, dass die Decke nicht dick ist, hier waren wir mit dem jüngsten Team angereist: Unser Weg führt nach Sotschi und vorher darf man auch keine Luftschlösser bauen.“
Unter dem Strich wertete Chefcoach Markus Eicher die nackten Zahlen und Tatsachen als „enttäuschend. Wir hatten auf einen (Herren) und zwei WM-Plätze (Frauen) gehofft. Unsere Schwerpunkte aber liegen anders.“ Bis in rund zwei Jahren so kalkuliert der Bayer, seien am Ende eines Allround-EM-Gipfels bei den  Damen durchaus wieder „fünfte oder sechste Ränge“ drin. Im Jahr I der Neustruktur aber hatten sämtliche Experten eine Durststrecke erwartet. Die glänzenden Resultate der Sprinter um Nico Ihle und Weltcupsieger Samuel Schwarz, gerade von der Sporthilfe zum „Sportler des Monats“ erkoren, oder der Coup der Damen im Team Pursuit von Berlin, sorgten für ein frühes Saison-Hoch. In Sachen Mehrkampf ist der Abstand zur Weltspitze größer. EM-Neuling Bente Kraus jedoch brachte auf den Punkt, dass Klobenstein erst einen (Neu-) Anfang bedeutete: „Das hat hier enormen Spaß gemacht, wie jede Läuferin gefeiert wurde und macht viel Appetit auf mehr. Man darf nicht vergessen, dass dies für uns die erste Saison nach dem harten Sommertraining  war.“

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