Dordrecht StimmungSo feiert Dordrecht. Foto: ArchivUnter der Leitung des neuen Shorttrack-Bundestrainers, Stuart Horsepool, bereitete sich der DESG-Nationalkader in Polen auf die kommenden Aufgaben, beginnend mit der EM im niederländischen Dordrecht (11.-13.Januar), vor. Der Brite skizziert seine ersten Erfahrungen und Erwartungen.

Sie sind seit Mitte 2018 Bundestrainer Short Track. Bitte beschreiben Sie die wichtigsten Schritte.

Es gilt, viele Schritte zu gehen. Am wichtigsten für mich ist es, ein starkes tägliches Trainingsumfeld am Bundesstützpunkt Dresden aufzubauen. Und die Sportler von jenen Änderungen zu überzeugen, die ihnen helfen sollen, dort ihr volles Potenzial abzurufen.

Und wie ist Ihr Eindruck vom Status Quo des deutschen Short Tracks?

Das deutsche Short Track ist leider etwas hinter die Weltspitze zurückgefallen. Ich suche nicht nach Gründen aus der Vergangenheit, sondern schaue in die Zukunft: Mit Planen und Implementieren von Programmen, die kurzfristige Ergebnisse ermöglichen. Noch wichtiger ist es, ein langfristiges Konzept zu entwickeln, mit dem starke Skater für die nächsten beiden Olympischen Zyklen ausgebildet werden können.

Anna Seidel gewann beim Weltcup eine Silbermedaille, ein starkes Ausrufezeichen. In Heerenveen erzielten Adrian Lüdtke, Gina Jacobs und Christoph Schubert in der Star Class respektable Resultate. Diese positiven Nachrichten sind sicherlich Motivation?

Annas Ergebnisse in dieser Saison waren besser als in den vergangenen Saisons. Sie hatte vor zwei Jahren eine schwere Rückenverletzung, von der sie sich rechtzeitig erholen konnte, um sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren.

In dieser Saison gewann sie die ersten beiden internationalen Events und kämpfte sich in ein Weltcup-Finale, bevor sie in eine Silbermedaille gewann. Ein starker Start. Anna hat das Potenzial, regelmäßig aufs Podium zu laufen. Sie muss an ihren Stärken arbeiten und konstant gute Leistungen erbringen. Eine Medaille bei vier Weltcup-Einsätzen kann dabei nur ein Anfang sein. 15 verschiedene Skaterinnen haben in den ersten beiden Weltcups Podiumsplätze erlaufen, acht stammen aus Europa. Das zeigt, dass die diesjährigen Europameisterschaften (Anm: 11.-13.Januar in Dordrecht) auf sehr hohem Niveau stattfinden werden. Das sollte uns bewusst sein.

Der Rest des Teams hat sich ebenfalls verbessert. 2017/18 hatte Deutschland im Europa-Cup-Finale (dieser Wettbewerb ist eine internationale Stufe unter den Weltcups) nur 5 Skater, die aber ohne Medaille blieben. Skater qualifizieren sich durch die Star-Class-Wettbewerbe (Westeuropa, Osteuropa Danunia-Pokal). Die besten 8 männlichen und weiblichen Skater jeder Junioren-Altersklasse sowie Senioren bestreiten das Finale. In dieser Saison erreichten nach vier Veranstaltungen 15 Skater die Qualifikation. Beim letzten Event gewann Deutschland 14 Medaillen.

Dies ist jedoch nur der Anfang. Darauf muss man aufbauen, damit sich mehr Athleten qualifizieren und es aufs Podium schaffen. Wichtig ist dabei die Kommunikation und Zusammenarbeit mit den Vereinen, um das nationale, zentralisierte Programm umzusetzen. Einige der verbesserten Ergebnisse basieren auf der Arbeit von Diana Scheibe und durch Unterstützung der Top-Clubtrainer in den Junior-Abteilungen C & D.

Wie geht es im Short Track Winter aus deutscher Sicht weiter? Ein echtes Highlight wird sicherlich der Weltcup in Dresden sein.

Im Januar mit den Europameisterschaften und Juniorenweltmeisterschaften. Im Februar stehen der Weltcup Nr. 4 in Dresden aber auch eine Woche später Weltcup Nummer 5 in Turin im Fokus. Im März dann die Weltmeisterschaften und das Europa-Cup-Finale in Rostock.

Wichtig: Wir müssen immer auf die langfristige Perspektive schauen. Ich bin erst seit sechs Monaten hier. Die Leistungen und wie die Athleten sich im Wettbewerbsumfeld bewegen, ist vorerst entscheidender als das reine Ergebnis.

Können Sie Ihr Zeitmanagement erklären? Wann sind Sie in Dresden, wann in England?

Die meiste Zeit verbringe ich von Montag bis Freitag mit der Nationalmannschaft in Dresden. Bislang haben wir das internationale Wettkampfprogramm mit Daniel Zetzsche (Stützpunkttrainer in Dresden) aufgeteilt. Daniel arbeitet mit mir im täglichen Training des Nationalteams zusammen.

Welchen Stellenwert hat Short Track in Großbritannien - und wo sehen Sie das deutschen Short Track in einigen Jahren?

Es ist natürlich enttäuschend für mich zu erleben, dass Short Track in GB aufgrund schlechterer Ergebnisse in ein Loch fiel und seine Grundfinanzierung verlor. Nur Elise Christie wurde nach dieser Saison noch unterstützt. Als ich England verließ, stand ein Förderprogramm von 4,7 Millionen Pfund für einen vierjährigen Olympiazyklus zur Verfügung. In den zehn Jahren zwischen 2005 und 2015 gewannen UK-Sportler 51 ISU-Medaillen (Junioren, Europameisterschaften, Weltmeisterschaften) und erzielten einen Staffel-Weltrekord für Herren. Daher verfolge ich mit schwerem Herzen, was jetzt passiert. Gleichzeitig freue ich mich auf das zukünftige Short Track-Programm in Deutschland, denn wir haben die Athleten und ein gutes Support-Team. Jetzt arbeiten wir hart, aber natürlich gehört zum Short-Track auch ein bisschen Glück.