MDJ 3548 ISU World Sprint Speed Skating Championships Thialf 240219 MdJ bearbGabis letzte Runde. Foto: Martin de JongDas beste Rennen hatte sich Nico Ihle bei der Sprint-Weltmeisterschaft bis zum Schluss aufbewahrt. Im zweiten 1000 m-Lauf musste der Chemnitzer gegen den Lokalmatador, Doppel-Olympiasieger Kjeld Nuis, antreten. Die 10000 Zuschauer in der ausverkauften Thialf-Eisschnelllaufhalle von Heerenveen feuerten ihren Liebling frenetisch an und motivierten damit auch Nico. “Ich wusste, dass ich die ersten 600 Meter gegen Kjeld führen konnte. Ich habe es noch nie erlebte, dass das Publikum so laut war.” Überrascht war er, dass er trotz des Abstands im Zieleinlauf hinter dem Niederländer in 1:08,76 Minuten eine Heerenveen-Bestzeit aufgestellt hatte. Das bedeutete Platz vier auf dem zweiten Kilometer. “Der Unterschied zwischen Kjeld und mir ist, dass er in der Position besser läuft. Kraftunterschiede sehe ich nicht”, analysierte Ihle.

“Nico hat um 3/100 Sekunden Platz drei verpasst. Über 1000 m zeigte er an, zur Weltklasse zu gehören. Obwohl er im Sommer alleine trainierte. Auf den 500 m hat er viel verloren. In diesem Teilnehmerfeld war Nico super gut,“ meinte DESG-Trainer Erik Bouwman. “Der Lauf gegen Nuis hat ihn sicher motiviert”, so der Coach. Schneller waren nur der Olympiasieger selbst (1:07,80), der neue Sprintweltmeister Pavel Kulizhnikov (Russland/1:08,62) und Titelverteidiger Havard Holmefjord Lorentzen (108,73).

Mit Platz sieben in der Gesamtwertung hat Nico sein Saisonziel erreicht. “Das Ergebnis hier gibt mir Kraft für das Weltcupfinale Anfang März in Salt Lake City. Es war wirklich eine nacholympische Saison. Ich bin heiß für das nächste Jahr. Ich weiß, was ich machen muss, um auf das Podium zu kommen. Für die zweite Runde über 1000 m brauche ich mehr Stehvermögen,“ konkludierte der Sachse, der von seiner Familie im Stadion angefeuert wurde.

Der Inzeller Joel Dufter erreichte in der Endabrechnung Rang elf. Über beide 500 m belegte er Rang 15, über die 1000 m wurde er einmal Siebter und einmal Neunter. “Über 1000 m gehört Joel zu den Top 8. Über 500 m fehlt ihm noch die Schnelligkeit,“ sagte Bouwman. Etwas enttäuscht war der Niederländer vom dritten deutschen Starter Jeremias Marx. Der Erfurter beendete seine erste Sprint-WM auf Rang 26 unter 28 Teilnehmern. “Er kann viel schneller laufen. Im Sommer waren bei ihm die Bänder im Fußgelenk gerissen. Das war heute das Maximale. Nach einem guten Sommer kann er mehr zeigen”, so Bouwman. Im nächsten Jahr will der Coach bessere Ergebnisse erreichen. “Dafür müssen wir die Kräfte bündeln und viel mehr zusammen trainieren. Wir arbeiten daran, wie wir das am besten organisieren,“ verriet er.

Einen Traumabschied bereiteten die Zuschauer Gabriele Hirschbichler. Nach ihrem letzten 1000 m-Lauf in 1:17,25 Minuten (Platz 18) wurde die 35 Jahre alte Inzellerin, älteste der 27 Teilnehmerinnen in Friesland, mit Standing Ovations in den sportlichen Ruhestand verabschiedet. In der Gesamtwertung belegte sie Rang 20. “Das war ein sehr schöner letzter Tag für Gabi. Für ein besseres Ergebnis fehlt ihr die Grundgeschwindigkeit. Sie wollte hier das Beste zeigen. Die Einzelstrecken-WM in Inzell waren das Hauptziel ihrer letzten Saison”, beschrieb Erik Bouwman Gabis letzten Sportauftritt. 2006 gab Gabriele Hirschbichler ihr Weltcup-Debüt, seit 2011 nahm sie an insgesamt 13 Weltmeisterschaften teil. Höhepunkt ihrer Karriere waren sicherlich die Olympiateilnahmen 2014 in Sotschi und 2018 in PyeongChang. Neue Sprint-Weltmeisterin wurde 500-m-Olympiasiegerin Nao Kodaira aus Japan.