Nico HeerenveenNico: kühles Eis und heisser Asphalt. Foto: privatZum zweiten Mal in diesem Sommer im Eis-Eldorado Heerenveen: Die deutschen Skater sind schon mittendrin in der Saison-Vorbereitung. Ein gutes Signal, findet auch Nico Ihle, Vorzeige-Athlet der DESG. „Es macht Spaß“, so der erste Kommentar des 33-jährigen Sprinters aus Chemnitz – und meint damit die geänderte Konstellation. Nicht nur an der Seite von Bruder Denny, sondern auch mit dem Inzeller Joel Dufter sowie den „Jungfüchsen“ Hendrik Dombek, Jeremias Marx, Max Reder und Michael Roth. Unter Leitung von Bundestrainer Danny Leger formierte sich dieses Highspeed-Gespann. Und findet in Thialf jede Menge Platz und ausreichend Eis-Zeiten, die anderen Nationen sind gerade abgereist.

„Es ist eine neue Erfahrung für mich, so zu trainieren“, sagt der Sachse. Er muss nicht immer allein die Pace machen, kann sich auch mal hinten „verstecken“. Sein Eindruck: „Die Jungen bringen frischen Wind rein, strengen sich mächtig an, sind ehrgeizig, da muss man ganz schön dagegenhalten.“ Das gilt für Nico wie Joel, die quasi nach dem letzten WM-Rennen in Inzell eine Konzentration der Kräfte besprochen hatten.

Denn nur über den Weg „zu bündeln“, glaubt Nico Ihle, könne man wieder nach vorne kommen. Völlig realistisch konzediert er, dass man zuletzt den Anschluss (nach ganz vorne) verpasst habe. „Aber mit dieser Zusammenarbeit kann es wieder an die Weltspitze gehen.“

Und die Trainer drehen mit an den Stellschrauben. In Zusammenarbeit mit der Trainingswissenschaft modifizierte Leger (Nico: „Er bringt viel Knowhow mit“) zum Beispiel die Bike-Einheiten. Die Eisschnellläufer pedalieren bei ihren rund zweistündigen Touren durchs flache Friesland nicht mehr als Gruppe, sondern gemäß den vorgegebenen Watt-Zahlen. Ob im Grundlagenbereich oder bei Höchstbelastungen: jeder nach den individuellen Vorgaben. „Früher trat man vorne im Wind 300 Watt, hinten im Windschatten nur gut 80, jetzt fährt keiner mehr im falschen Bereich.“

Auch das findet der Vize-Weltmeister über 500 Meter von 2017 spannend und spricht von „mehr Qualität“. Das trifft auf die Arbeit in der „Folterkammer“ in ähnlichem Maß zu. Das Krafttraining mit den Hanteln, bei Kniebeugen, mit welchem Gewicht auf den Schultern, ob die Hantel langsam oder schnell und wie häufig nach oben gedrückt wird – alles unterliegt einem persönlichen Schema. Für Nico bedeutete das: „Ich habe mein Körpergewicht reduziert (Anm. von rund 90 auf 86 kg)“ – und beim Leistungstest kürzlich in Berlin erzielte er bessere Werte als unmittelbar vor dem letzten Saisonstart.

„Übungen, die vielleicht vorher vernachlässigt wurden“, finden die Sprinter auf ihrer To-do-Liste. Das seien „neue Reize“. Und bemerkenswert: „Ich war nie absolut platt, konnte seit April jede Trainingseinheit absolvieren.“ Leger fordert seine Schützlinge nicht nur beim abendlichen Computer-Check der Trainingselemente zur Diskussion auf – sondern holt generell die Meinungen ein. Aber: bisher fand er einhellige Zustimmung. Trotzdem ist Nico Ihle froh, dass nun eine kurze Regenerationsphase beginnt. Die nutzt er mit seiner Familie an der Ostsee. Ein bisschen Zeit, um mit Tochter Emma über den Start ins zweite Schuljahr zu quatschen. Und dann ruft erneut Heerenveen. Ab dem 8. August übt die DESG-Abteilung für Vmax wieder auf dem schnellen friesischen Eis. Hintergrund: Leger ersetzt die Shorttrack- und Inline-Einheiten durch das Skaten auf der 400-m-Bahn. Nico nickt dazu.