2019 11 10 2429Michelle Uhrig mit zweitem DM-Gold. Mit Roxanne Dufter und Victoria Stirnemann. Foto: DESGphoto/Lars HagenSonne über Inzell. Am letzten Tag der Internationalen Deutschen Meisterschaften, durfte man das sprichwörtlich sehen – vor allem im Hinblick auf den bevorstehenden Weltcup-Winter. Lassen wir Bundestrainer Erik Bouwman zu Wort kommen. „Wir können nicht für jeden Sportler nur auf den Knopf drücken, es sind keine Maschinen.“ Heißt im Klartext: mehrere Eisschnellläufer sollten beim Saison-Opening zwar fit sein, die weitere Entwicklung muss jedoch bei den internationalen Highlights erfolgen. Kollege Danny Leger, für Sprint- und Mittelstrecke verantwortlich, ergänzte: „Nach den Trainingsleistungen hatten wir bessere Zeiten erwartet. Unser neuer Prozess funktioniert, die Ergebnisse diesmal nicht. Aber ich bin mir zu 99 Prozent sicher, dass es beim Weltcup-Auftakt deutlich besser läuft.“ Das mittelfristige Ziel der DESG-Planer ist auf Weltcup #3 ausgerichtet. Dann soll die Formkurve ihren ersten Kulminationspunkt erreichen.

Über 1500 m der Damen holte sich Michelle Uhrig ihren zweiten Titel, überquerte ganz knapp vor Lokalmatadorin Roxanne Dufter die Ziellinie. „Stabil“ beschreibt Bouwman die Performance der Berlinerin. Im vergangenen Jahr hatte die Suche nach dem richtigen „Rennplan“ nicht zum Ziel geführt, jetzt klappe vieles besser. Obgleich noch viel Luft nach oben bleibt, wie der Coach betont. Das betrifft in gleichem Maße Roxanne Dufter, die in den kommenden Wochen noch mehr Fahrt aufnehmen will. Bronze ging an das größte Talent im deutschen Lager. Victoria Stirnemann, zarte 17, stand erstmals bei den „Großen“ auf dem Podest, lief an ihre Bestzeit heran – ein Versprechen für die Zukunft. Vielleicht sieht man sie u.a. bei den Youth Olympic Games in St. Moritz.

2019 11 10 3150Das 1500 m-Podest mit Lukas Mann, Stefan Emele und Noel Müller.
Foto: DESGphoto/Lars Hagen
Die 1500-m-Distanz bei den Herren gilt – und das seit Jahren – als Problemfall. Ein gutes Signal aber: sage und schreibe 41 Junioren und Senioren kämpften in der Max-Aicher-Arena um die Meriten. Von Routiniers wie Denny Ihle (!) bis zu einer wilden Youngster-Horde mit Felix Motschmann, Lennart Jasch oder Konstantin Götze. Angst vor der Zitterstrecke kennen die jungen Flitzer nicht. Mittendrin Stefan Emele, unerwarteter Meister in 1:49,19 Minuten, den eigentlich nur Bundestrainer Danny Leger auf dem Zettel ganz oben hatte. Der 23-jährige Hesse kommt vom Inline-Skating, trainiert in Erfurt, gilt als „Beißer“, nennt sich selbst „Kampfschwein“. Der Gold-Coup von Inzell war „mein schönster Tag“ in seiner Sportler-Karriere. Auch der frischgebackene DESG-Newcomer des Jahres, Lukas Mann (19), klopfte vehement an die Senioren-Tür, gewann die Silbermedaille in 1:49,85 Minuten.

Als draußen der Nebel die Arena umhüllte, ging drinnen die besondere Post ab. Die Massenläufe, früher oft zu taktikgeprägt, entlockten den Fans manches „Wow“. Dank starken Zwischenspurts, Ausreißversuchen und abschließender Tempo-Ekstase, vor allem aufgrund hochklassig besetzter internationaler Felder. Die DM-Titel gingen an Josie Hofmann aus Erfurt und Fridtjof Petzold (Crimmitschau). „Sie“, gerade 22, siegte vor Michelle Uhrig, die damit ihre vierte Medaille mit nach Hause nahm. „Er“, der Sport-Management studiert und mit Felix Maly ein Trainings-Gespann bildete, setzten den Schlusspunkt unter ein gelungenes Eis-Wochenende. Kommentierte Kufen-Legende Gunda Niemann-Stirnemann mit den Worten: „Die Internationen Meisterschaft sind eine Aufwertung.“

Ach, eine sollten wir nicht vergessen. Die 17-jährige Anna Ostlender vom heimischen DEC nahm nicht nur vier Einzelstrecken unter die Kufen, sondern gewann am Finaltag noch die Junioren-Konkurrenz im Massenlauf. Das fürs Protokoll.