Nico JoelNico und Joel im ZDF-Interview.
Foto: ZDF-Mediathek
Weltcup #2 – aus deutscher Sicht gab es nur wenige Verbesserungen gegenüber dem Auftakt vor einer Woche in Weißrussland. Die Bundetrainer zeigten sich „unzufrieden“ mit dem Abschneiden in der Arena von Tomaszow, analysierten dementsprechend. „Es ging noch ein bisschen zäh, wir haben aber keine Sorge, in zwei Wochen stärker aufzutreten“, so Danny Leger, für Kurz- und Mittelstrecke verantwortlich. „Auf hohem Level“ habe man trainiert, aber die guten Ansätze jetzt im Weltcup nicht fortsetzen können.

Beispiel Sprint. Nico Ihle verabschiedete sich als Siebter über 500 m (B-Gruppe) aus Polen, Joel Dufter wurde Zehnter. Leger sieht „drei, vier Zehntel Abstand“ zur Weltspitze. Der Fokus der beiden „Kapitäne“ der neuen Trainingsgruppe liegt auf den 1000 Metern, die in der Lodowa-Halle aber nicht auf dem Programm standen. Nico (im ZDF-Gespräch): „Die 500 Meter sind eher ein Nebenprodukt. Unser Ziel ist es, in zwei Wochen über die Tausend zu glänzen.“ Der neun Jahre jüngere Zimmerkollege aus Inzell („ich bin froh, dass Nico da ist, er ist ein Supertyp“) kennt sein Handicap am Start („da fehlt es mir an Schnellkraft“). Dennoch müsse diese Distanz künftig nicht nur als „Warm-Up“ dienen. „Wir haben den richtigen Weg eingeschlagen, müssen aber die Feinheiten verbessern“, weiß Leger.

Über 1500 m bestätigte der Deutsche Meister Stefan Emele bei seinem zweiten Weltcup-Rennen, dass er über viel Potenzial verfügt – das er im Moment aber nur in der zweiten Gruppe zeigen kann. Im „Hauptrennen“ erreichte Patrick Beckert über 5 km die Top Ten. Der Erfurter liegt in seinem Plan. Sich peu à peu an die Besten heranziehen. Wobei der 23-jährige Niederländer Patrick Roest aktuell in einer eigenen Liga skatet. Der neue Sven Kramer offenbar. Felix Maly und Fridtjof Petzold zeigten sich – in der B-Gruppe - „stabil“, so Bundestrainer Erik Bouwman. „Sie machen einen großen Schritt in die richtige Richtung“, sein Eindruck - auch Petzold (22) war als Debütant auf die Weltcup-Reise gestartet. Im Massenstart zeigte Maly Cleverness. „Im Halbfinale hatte ich das Glück, mich mit Stroetinga und Janicki abzusetzen zu können. Im Finale habe ich die gleiche Taktik versucht und zweimal Punkte bei den Zwischensprints holen können.“ Platz 9 am Ende für den Thüringer.

Bei den Damen gewann Claudia Pechstein ihr B-Rennen über 3000 m. Eine Punktlandung, die sie im Hinblick auf die 5 km in zwei Wochen in Position bringt. Michelle Uhrig zeigte sich als Siebte verbessert, während Bouwman Roxanne Dufters Performance (Rang 16) als „sehr enttäuschend“ wertet. Im Massenlauf demonstrierte die fünfmalige Olympiasiegerin aus Berlin einmal mehr, welche Taktik zielführend ist und sorgte mit Rang 6 für das beste Weltcup-Resultat am Wochenende aus DESG-Sicht. Dank fünf Sprintpunkten, während Uhlig – eine Stunde nach ihrem Einsatz über 1500 m – den Finalanzug unglücklich verpasste.

Der Weltcup im modernen Sportkomplex von Tomosow: nicht nur eine holländische Angelegenheit. Japans Skater und die starken russischen Sportler präsentieren sich in starker Frühform. Die Situation der deutschen Eisschnellläufer beschreibt Sportdirektor Matthias Kulik: „Wir haben vor einem Jahr eine Struktur geschaffen, wo keine war.“ Bedeutet: die Basis ist gelegt, aber um Früchte zu ernten, Ist es zu früh. Der Trend zeigt dennoch nach oben. Beim parallel ausgetragen Junioren-Weltcup in Enschede holte der DESG-Nachwuchs sieben Top-Ten-Plätze auf den Einzelstrecken. Bei den Neo-Senioren gewann Lea Sophie Scholz Gold über 1000 m und Lukas Mann Silber (3000 m). Im Team Sprint katapultierten sich junge deutsche Skater aufs Podest: Silber für die Mädels, Bronze ging an die Jungs.